Beiträge vom November, 2009

Konzert-Bericht: Essence of Progression 2009

Donnerstag, 12. November 2009 16:46

Es ist viel Wasser die Aist hinab geflossen, seit ich das letzte Mal ein Konzert besucht habe (kleinere Auftritte lokaler Bands einmal nicht eingeschlossen). Im Juli 2007 habe ich meine Ohren mit den progressiven Klängen von Dream Theater verwöhnt (damals im Posthof Linz) – seither jedoch nichts mehr. Groß war also die Vorfreude auf das erste Konzert seit über zwei Jahren – und es versprach ein großes persönliches Highlight zu werden.

Die Essence of Progression 2009 Tour machte am 2. November 2009 Halt in München (im Backstage) und ich (plus mein bester Freund) habe nicht lange überlegt, ob wir dem Konzert einen Besuch abstatten sollen, angesichts des Line-Ups:

  • Spheric Universe Experience
  • Serenity
  • Threshold

Mir sind alle drei Gruppen wohlbekannt und ich schätze die Musik jeder einzelnen – wenn nicht sogar mehr als das (im Falle Thresholds).

Odyssee

Die Anreise sollte sich als Irrfahrt entpuppen. Bei unangenehmen Wetterbedingungen (Regen und Nebel) war bis Münchens Stadtgrenzen alles in bester Ordnung – doch dann verlor sich der Weg aufgrund wirklich mangelhafter Beschilderung in der Innenstadt (selbst das Schild für den Hauptbahnhof war so klein und unauffällig, dass es mehr Glück als Verstand war, dass wir es gesehen haben) und bescherte uns eine glatte Stunde Herumirren in innenstädtischen Gassen mit immer dünner werdendem Geduldsfaden.

In einer solchen Situation hätte sich ein Navigationsgerät oder ein Smartphone mit Navigationssoftware wirklich bezahlt gemacht – oder einfach nur ein Stadtplan. Die richtigen Waffen zu wählen, wenn man eine fremde Stadt (für mich ist es der absolut erste München-Besuch gewesen) einfällt, sollte gelernt sein. Die Lektion haben wir nun hinter uns.

Glücklicherweise war unser Zeitpuffer so großzügig gewählt, dass wir trotz dieser Eskapaden noch mit lockerem Zeitfenster an der Location ankamen.

Location

Das Backstage verfügt über mehrere Konzertsäle, von denen nicht gerade der größte für das Konzert aufgeboten wurde. Anfangs noch etwas verwirrend, stellte sich rasch heraus, dass selbst dieser Raum für die Zuschauermengen etwas überdimensioniert war – es waren am Ende wohl nicht einmal 80 Leute, die sich dieses Event nicht entgehen lassen wollten (manche sogar zum zweiten Mal binnen weniger Tage, wie die beiden freundlichen Leute, die wir vor dem Eingang kennen gelernt haben). Für das, was noch geboten werden sollte, war die Menge an Zuschauern sehr schwach – geradezu enttäuschend.

Spheric Universe Experience

Die Prog-Heads aus Frankreich eröffneten das Konzert aus dem Stand und lieferten eine beachtliche Performance ab. Es gab hauptsächlich Stücke aus ihrem neuen Album „Unreal“ zu hören (mit Ausnahme des im Video gezeigten „Neptune’s Revenge“ von ihrem 2007er-Album „Anima“), was mich etwas enttäuschte, da ich ein Fan ihrer ersten beiden Werke „Mental Torments“ (2005) und „Anima“ (2007) bin und das neue Album nicht so begeisternd finde. Jedoch verständlich – sie promoten schließlich die aktuellste Scheibe.

Negativ anzumerken ist neben der mittelmäßigen Begeisterung der Anwesenden für die Franzosen die kurze Spieldauer von 30 Minuten – für Progressive Metal etwas sehr kurz.

Serenity

Österreichische Bands sind in diesem Genre eine echte Seltenheit, umso mehr freute es mich, dass auch Serenity zum Line-Up des Konzerts gehörten. Die Tiroler spielen allerfeinsten Power-Metal und konnten sich meiner Meinung nach mit ihren beiden ersten Alben „Words Untold & Dreams Unlived“ und „Fallen Sanctuary“ in ihrem Genre neben Kamelot als echte Größte etablieren.

Tontechnisch war das Konzert von Serenity vom allerfeinsten, der Klang der Instrumente war ideal. Die Combo ist verdammt sympathisch und konnte die Fans so richtig in Stimmung bringen. Zu hören gab es ein Medley ihres aktuellen Albums „Fallen Sanctuary“, welches auf dieser Tour promoted wird (mit Erfolg, wie es scheint – es kam immerhin sogar ein Gast aus Prag extra zu diesem Konzert :) ).

Auch Serenity haben nicht viel Zeit bekommen – 45 Minuten mussten ihnen reichen. Zu schade, ein Song wäre noch gegangen. Mein Favorit wäre gewesen „Journey’s End“, der ultimative Rausschmeißer für jedes Konzert.

Set-List

  • Reduced To Nothingness
  • Rust Of Coming Ages
  • Coldness Kills
  • Fairytales
  • Sheltered (By The Obscure)
  • Velatum
  • All Lights Reversed

Threshold

Der Main-Act des Abends war der Grund für die kurzen Vorband-Konzerte – Threshold hatten sich einen ordentlichen Brocken Musik ausgesucht, den sie vorspielen wollten. Satte 16 Stücke (inklusive vier Longtracks) standen auf der Set-List und wurden auch gespielt – gesamt über zwei Stunden großartige Musik. Nun war die Stimmung endgültig auf dem Höhepunkt – nicht nur bei mir, wobei ich meine Stimmbänder bereits bei den Vorbands praktisch vernichtet hatte.

Set-List

  • Consume To Live
  • Fighting For Breath
  • Stop Dead
  • Part Of The Chaos
  • Avalon
  • One Degree Down
  • Critical Mass
  • Smile At The Moon
  • The Art Of Reason
  • Long Way Home
  • Pilot In The Sky Of Dreams
  • Slipstream

Zugabe

  • Mission Profile
  • Paradox

Die von mir durchlebten Emotionen sind mit Worten sicher nicht adäquat beschrieben – man muss ein Konzert einer seiner Lieblingsbands schon selbst erlebt haben, um zu verstehen, wie es mir gegangen ist. Dazu kommt noch der Umstand, dass ich bei allen Bands in der ersten Reihe stehen durfte – und mit der Band damit auf Tuchfühlung war. Threshold-Vocalist Damian Wilson hat es sich ohnehin nicht nehmen lassen, mit der ersten Reihe mehrmals abzuklatschen und sich mehr als einmal in das Getümmel zu stürzen. Näher an den Fans kann man als Band kaum sein.

Besonders schön fand ich, dass ein weiterer Besucher, den ich in der Pause zwischen Serenity und Threshold kennen gelernt habe, und als Sänger selbst in Bands spielt, die Chance bekam, sich während des Konzerts zu beweisen – das Intro und Outro zu „Pilot in the Sky of Dreams“ war seine Chance – die er fabelhaft genutzt hat. Ich hätte zu der Zeit bereits keine Stimme mehr gehabt, um die Aufgabe zu meistern.

Als Kritikpunkt ist allerdings die Tonmischung zu bemerken. Die Band bemühte sich nach Möglichkeit, jedoch war der Tonmix so misslungen, dass zwei der wichtigsten Elemente – Gesang und vor allem Keyboards – kaum durch das Gewitter an Gitarren und Schlagzeug zu hören waren. Dasselbe Problem gab es vor über zwei Jahren schon bei Dream Theater – die Tontechniker übertreiben es scheinbar immer wieder mit der Lautstärke. Warum, ist mir ein Rätsel.

Der Klang war demnach bei den Akustik-Tracks am besten, wo Gitarre und Schlagzeug weniger störten.

Abschluss

Als Abschluss bekam ich (unter anderen) als Belohnung für meine Begeisterung eine Original-Set-List von Threshold in die Hand gedrückt – und habe mir im gleichen Zug auch noch Unterschrift von Damian Wilson und Gitarrist Pete Morten darauf geholt :) .

Den Schlusspunkt setzte ein angenehmer und humorvoller Plausch mit Damian und Pete, und auch Georg Neuhauser, Vocalist von Serenity. Ich hätte mir mehr Zeit nehmen sollen, allerdings mussten wir noch einen Botendienst ausfahren und einen Konzertbesucher zum Bahnhof bringen – auch wir wollten einmal nach Hause.

Die Rückfahrt sollte lange genug dauern. Es war annähernd fünf Uhr morgens, als ich ins Bett fiel. Ein großartiger Abend, anders kann man es zusammenfassend nicht beschreiben.

Es werden weitere Konzerte folgen, das ist für mich nun klar. Der Preis steht in keiner Relation zu dem, was man bekommt (üblicherweise). Der nächste Termin ist der 20. November dieses Jahres, ebenfalls im Backstage, wenn Sonata Arctica aufspielen.
Ich werde berichten ;)

Alles Liebe
Simon

Links

Spheric Universe Experience
Serenity
Threshold

Konzertbericht Aschaffenburg (powermetal.de)

Thema: Konzerte | Kommentare (0) | Autor: Simon Voggeneder