What if…

… it has all been a big fat lie?

Die fetten Seiten des Lebens</br><style fontsize='10'>Quelle: <a href="http://www.flickr.com/photos/jessicafm/71922825/" target="_blank">Flickr</a></style>

Die fetten Seiten des Lebens

Diese überaus berechtigte Frage stellt uns Gary Taubes nicht nur in seinem Artikel für die New York Times, sondern auch in seinem Schmöker von Buch “Good Calories, Bad Calories”. Was, wenn die Ernährungspyramide, wie wir sie kennen, der Hauptgrund für die kontinuierliche Verfettung der heutigen Gesellschaft ist – einer Gesellschaft, die sich trotz aller Wissenschaft, Ernährungsberater und Fitnessboom nicht vor ihrem stetigen Voranschreiten in Richtung Untergang durch Wohlstand retten kann?

Gary Taubes schreibt über einen alternativen Ansatz – der den Zucker (und damit werden auch Kohlenhydrate aus Getreideprodukten aller Art, Kartoffeln und vielen anderen Quellen eingeschlossen) in das Zentrum der Betrachtung und damit auch auf den Altar der Anklage stellt. Seine Worte klingen klar aus den annähernd 600 Seiten komprimierter Geschichte der Wissenschaft: Vermeide den Zucker und du wirst schlanker, gesünder und vor allem länger leben.

Eines ist klar: Herr Taubes versteht sich auf sein Geschäft als Journalist und Autor. Er vermag den Leser zu überzeugen – alleine sein Literaturverzeichnis am Ende des Buches ist überwältigend reichhaltig – annähernd 1.000 literarische Referenzen finden sich dort. Dennoch ist die Nachricht mit Vorsicht zu genießen: Auch Taubes vertritt eine Meinung und legt sich die Evidenz so zurecht, dass sie seinen Punkt untermauert.

Charles Poliquin, ein Spitzencoach, der bereits Athleten in zwölf (!) verschiedenen Disziplinen zu olympischen Medaillen verholfen hat, spricht in seinem Podcast mit Jürgen Reis darüber, dass drei Viertel der europäischen Bevölkerung auf zu viele Kohlenhydrate sehr schlecht, d.h. mit Entwicklung von Übergewicht und verminderter Lebensenergie reagiert. Diese drei Viertel kommen am besten damit klar, möglichst wenig von den süßen Dingen dieser Erde zu essen – etwa 50 Gramm Kohlenhydrate täglich reichen bereits aus, um den Bedarf zu decken. Diese Menge findet sich beispielsweise in fünf Esslöffeln Kristallzucker. Oder achtzig Gramm Reis (trocken). Oder auch in einem dreiviertel Kilo Erdbeeren. Selbst ein Liter Naturjoghurt reicht dafür bereits aus. Es ist also kaum möglich, diesen Wert zu unterschreiten. Poliquin empfiehlt weiter, sich auf primal carbs zu beschränken – Kohlenhydratquellen, die vor der landwirtschaftlichen Kultivierung des Getreides zur Verfügung standen. Dazu gehören: Milchprodukte, Obst, Gemüse und Nüsse.

Ein umfassendes Präsentationsvideo der Universtität von Stanford beschäftigt sich ebenfalls mit der Frage, ob Diäten überhaupt funktionieren können und kommt auf kein eindeutiges Ergebnis. Im Mittel schneiden Diäten mit geringem Kohlenhydratanteil besser ab, allerdings nicht signifikant genug. Interessant ist allerdings, dass Menschen mit hoher Glukosetoleranz (die Fähigkeit, mit großen Mengen Zucker umzugehen) mit Diäten mit hohem Kohlenhydrat- und niedrigem Fettanteil besser abnehmen, während Menschen mit niedriger Glukosetoleranz mit Diäten mit niedrigem Kohlenhydratanteil deutlich mehr abgenommen haben.

Wer von euch fühlt sich träge, niedergeschlagen, energielos und hat dazu noch Probleme, mehrere Treppen zu nehmen oder sich mit gutem Gewissen in den Spiegel zu sehen? Wenn ihr euch angesprochen fühlt, dann ist es wahrscheinlich, dass mit eurer Ernährung etwas nicht passt. Nicht, dass die kalorische Ernährung der einzige Einflussfaktor wäre (gerade das soziale Umfeld ist ein gewaltiger Einflussfaktor – dazu jedoch andermal mehr), allerdings bestimmt sie zu großen Teilen die Qualität des täglichen Lebens.

Ich empfehle allen, die etwas Ambition zeigen, einige Selbstversuche. Ein erster kann in Form einer Eliminationsdiät stattfinden. Ein weiterer kann die Form eines einwöchigen Fastens annehmen. Alles, was den Körper reinigt und seine Sinne wieder erdet hilft auf dem Weg zurück zu einer Ernährung, die dem eigenen Körper entspricht.

Apropos entsprechen: Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer schreibt in einem seiner Bücher von einem Experiment, das mit Kleinkindern durchgeführt wurde. Ihnen wurden etwa 20 verschiedene Speisen simultan angeboten und man ließ sie vollkommen frei entscheiden, was sie essen wollten. Die Ergebnisse waren alles andere als klar: Ein jedes Kind wählte sich eine andere Nährstoffzusammensetzung. Das eine ernährte sich ausschließlich von rohen Früchten, ein anderes hatte eine ganz spezielle Affinität zu Knochenmark. Menschen lassen sich ernährungstechnisch nicht über einen Kamm scheren, allerdings gibt es statistisch gesehen durchaus Kategorien, in die Menschen fallen können, wie die Kategorien der Glukosetoleranz in der Studie der Universität von Stanford.

Was bleibt als Conclusio? Nichts geht über die eigene Erfahrung. Nichts ist machtvoller als die Stimme des eigenen Körper, die einen anleitet. Jeder hat seine eigenen optimalen Ernährungsgewohnheiten, die ihm auf den Leib geschneidert sind.

Wendet es auf euch selbst an und ihr werdet überrascht sein :)

Alles Liebe
Simon

P.S.: Lasst euch das Essen natürlich weiterhin schmecken!

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