Die Rede des US-amerikanischen Unternehmensberaters und Lehrers Marshall Goldsmith bei Leading@Google ist ein weiteres Kleinod, dass ich im Reden-Thread des Fighter-Fitness-Forum gefunden habe.
Die Qualität des Inhalts dieser Rede liegt in ihrer problemlosen Anwendbarkeit im Alltag. Marshall gibt seine Erfahrungen zum Besten, die uns helfen können, zu einem angenehmeren Zeitgenossen zu werden. Das ist viel wert – nicht umsonst betonen Psychologen immer wieder, dass für ein als positiv empfundenes Leben gut funktionierende zwischenmenschliche Beziehungen essentiell sind.
Marshall erwähnt bereits zu Beginn seiner Rede, dass er viel Inhalt in wenig Zeit abarbeiten wird – und bleibt in keinster Weise hinter seiner Ankündigung zurück. Obgleich die Rede über eine Stunde in Anspruch nimmt, ist sie für den bearbeiteten Inhalt merklich kurz geraten. Andere Redner brauchen deutlich mehr Zeit allein dafür heiße Luft aufzuwirbeln. Davon ist in Marshalls Rede nichts zu merken.
Da der Inhalt so dicht gedrängt ist, nehme ich mir heraus, nicht alle Punkte zu behandeln und stattdessen nur einige wenige Punkte, die ich als besonders markant empfunden habe heraus zu picken.
Vorab meine Empfehlung: Seht euch den Vortrag unbedingt an – das ist der beste Rat, den ich euch geben kann. Ich finde bei wiederholtem Sehen (bzw. Hören) der Rede immer wieder neue Anregungen, mein eigenes Verhalten unter die Lupe zu nehmen.
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1. Drei grundlegende Fehler im Umgang mit Menschen
Die folgenden drei Verhaltensweisen hat praktisch ein jeder von uns an sich schon einmal bemerken können – vorrangig Männer, deren Leben von professionellem Erfolg geprägt ist:
- Immer gewinnen wollen
- Alles besser machen wollen
- Jeden bewerten wollen
Immer gewinnen wollen führt zur Unfähigkeit, bewusst auch einmal eine Niederlage zuzulassen – selbst wenn es um triviale Dinge geht oder gar um solche, die des Aufhebens nicht wert sind, sich darüber zu streiten. Ein solch verbissener Kämpfer ist im alltäglichen Umgang ein kompliziertes Gegenüber und wird menschlich meist als unangenehm empfunden.
Alles besser machen wollen führt dazu, dass wir zu jeder Idee, die wir präsentiert bekommen, unseren Senf noch dazugeben müssen. Auch wenn unsere Meinung diese Idee um vielleicht 5% verbessert – die Bereitschaft des anderen, diese Idee danach umzusetzen ist um zumindest die Hälfte gesunken – schließlich ist es nun nicht mehr die seine. Gerade im beruflichen Umfeld ein erstklassiger Weg, möglichst viel kreatives Potential zu vernichten. Wer seine eigenen Ideen immer verbessert weiß, behält sie zukünftig auch eher für sich.
Meist wollen wir mit so einer Aussage lediglich der Welt zeigen, wie klug wir nicht sind. Es braucht in meinen Augen wahre Größe, um von diesem Verhalten Abstand zu nehmen. Gerade erfolgreichen Menschen, die durch ihre intellektuellen Fähigkeiten brillieren, fällt dies schwer. Hut ab vor allen, die sich erfolgreich darin üben. Es ist eine eigene Kunst der Menschenführung, unser Gegenüber so zu führen, dass es selbst auf die Ideen kommt, die uns vorschweben.
Jeden bewerten wollen zieht die Misere von einer professionellen auf eine persönliche Ebene. Es gibt wenig Destruktiveres als Menschen ungefragt mit Bewertungen zu konfrontieren. Scheinbar haben es erfolgreiche Menschen notwendig, ständig ihre Meinung über andere lautstark offenbaren zu müssen – bevorzugt hinter deren Rücken. Oft genug wäre die bessere Lösung, den Mund zu halten. Meinungen sind nämlich alles andere als schlecht – allerdings müssen sie schon zur richtigen Zeit erfolgen.
Wer jemanden bewertet, der darum gefragt hat, bekommt Dankbarkeit entgegen gebracht. Wer jemanden bewertet, der nicht darum gefragt hat, der lässt den Anderen irritiert, beleidigt, verletzt oder schlimmer zurück.
2. Feed Forward
Feed Forward ist im Grund eine erweiterte Form des Feedbacks. Es geht dabei nicht nur darum, Dinge ‘zurück zu füttern’, sondern sie auch ‘weiter zu füttern’.
Dabei handelt es sich um eine Gruppenarbeit, bei der man sich nacheinander immer in Pärchen zusammen findet. Man könnte es als eine Art Speed-Dating mit freier Partnerwahl betrachten. Marshall hat dies in seinem Vortrag als Wettbewerb angekündigt – Sieger ist der, der die meisten Gesprächspartner in 10 Minuten zusammen bringt. Er hat auch nach meiner Meinung recht mit dieser Aufforderung – hier hilft mehr tatsächlich mehr.
Jeder Teilnehmer wählt vor Beginn einen Bereich in seinem Leben, den er verbessern möchte und wendet sich mit einer dazu gehörigen Frage an die Partner, die ihm im Folgenden begegnen. Als Beispiel: Mein Thema der Verbesserung ist Selbstbewusstsein in Gesprächen. Die Frage, die ich an meine Partner stelle ist demzufolge: “Ich fühle mich unsicher, wenn ich Leute anspreche. Was kann ich tun, um mich sicherer zu fühlen?” Mein Partner gibt seine Ratschläge zum Besten – danach werden die Rollen getauscht.
Dabei gelten die folgenden Regeln:
- Es gibt zwei Rollen, die beide Partner nacheinander übernehmen: Rat-Geber und Rat-Empfänger
- Die einzig erlaubte Antwort auf Rat ist: “Danke!”
- Keine Rückmeldung über die Vergangenheit. Behandle jeden, als hättest du ihn in diesem Moment kennen gelernt.
3. Frage und folge
Im Original Ask and follow up getauft, geht es hierbei um eine Technik, das uns die Chance gibt, unser Verhalten tatsächlich zu verbessern. Eines der Hauptprobleme mit Verhalten in der heutigen Zeit ist, dass wenig bzw. ungern gefragt wird, wie man selbst bei anderen ankommt – einfach aus der Angst heraus, eine negative Antwort zu erhalten.
Dabei ist es im Prinzip ganz einfach – man geht zu den Menschen hin und fragt, wie man sich besser verhalten kann. Seine Mutter fragt man: “Wie kann ich ein besserer Sohn sein?”, seine Partnerin fragt man: “Wie kann ich ein besserer Partner sein?”, seinen Kollegen: “Wie kann ich ein besserer Kollege sein?”. Die Antworten auf diese Fragen können gewaltige Fortschritte im Miteinander ermöglichen.
Wichtig dabei ist:
- auf die Aussage des Anderen immer nur mit einem “Danke!” antworten – selbst wenn man mit den Aussagen gar nicht überein stimmt
- sich nie dazu verpflichten, das, was der andere vorschlägt, auch tun zu müssen.
Bei Beachtung dieser Voraussetzungen ist das Maß dessen, wie sehr wir den Tipps unserer Mitmenschen folgen meist ebenfalls das Maß dafür, wie sehr sich unser Leben dadurch verbessert.
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Ich bin davon überzeugt: Wer diese drei Punkte regelmäßig zu beachten und anzuwenden vermag, wird ein angenehmeres und glücklicheres Leben führen, ohne sich selbst verbiegen zu müssen. Ich kann also nur dazu raten, sich damit zu beschäftigen.


