Der rechte Schuh

Mich interessieren besonders jene Themen, die jeden Tag aufs Neue nicht zu umgehen sind. Die Wahl des Schuhwerks gehört zu ihnen. Wie bei vielen anderen Themen ist es auch hier so, dass es sozial konforme Komfortlösungen gibt, die sich wenig mit der Wahrheit jenseits der 08/15-Lösung beschäftigen.

Der Stellenwert des Schuhs

Auf die eigenen Schuhe legen die wenigsten Leute wert – zumindest im Sinne der Gesundheit. Schuhe werden bestenfalls als Fashion-Artikel betrachtet und sind ein ewiger Quell der Klischees gegenüber Frauen. Männer achten bei Schuhen mehr darauf, dass sie praktisch sind oder zum Anzug passen. Besonders beliebt sind günstige Modelle vom Schuh-Diskonter. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass Schuhe ein Teil unserer Bekleidung sind, die uns praktisch jeden Tag begleiten – und darüber entscheiden, wie gut oder schlecht wir im Leben stehen.

Ich beschäftige mich mit der Thematik des Schuhwerks und des Gangs seit mich meine Freundin Carolin darauf aufmerksam gemacht hat. Sie hat mich mit den Vorteilen des Barfußgehens vertraut gemacht und ist eine starke Proponentin des sogenannten Ballengangs, genauer noch der Geh-Methode nach Godo. Seither habe auch ich meine Gangart und Schuhwahl überdacht.

Zwei Schuh-Modelle haben es mir besonders angetan, über die ich genauer berichten will:

  • Nike Free
  • Vibram FiveFingers

Damit habe ich übrigens recht auffällig parallele Kriterien in Sachen Schuhwerk wie US-Coach Steve Maxwell. :)

Ballengang versus Hackengang

Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit dem Ballengang gemacht. Das Gehgefühl ist spürbar leichter und angenehmer – man geht bei guter muskulärer Verfassung wie auf Wolken – was sich allerdings bei Ermüdungserscheinungen rasch relativiert. Diese Art des Gehens ist deutlich anstrengender als der bei den meisten Leuten gebräuchliche Hackengang, vermeidet allerdings die starke Schockwirkung dieser Gangart (die es notwendig macht, Schuhe mit dicken Sohlen und Dämpfungen zu tragen).

Ein interessantes Experiment zum Nachmachen: Beobachtet euch einmal beim Gehen rückwärts oder eine Treppe hinauf. Sprintet eine kurze Strecke. Seht genau auf eure Füße. Ihr werdet merken, wie ihr automatisch euer Gangmuster auf den Ballengang umstellt, der euch den Vorteil bietet, erst mit dem Ballen den Boden erfühlen zu können, ehe ihr den Fuß auf eine Stelle setzt. Ich habe überdies den Eindruck, dass ich – auf Ballen gehend – schneller reagieren kann, da meine Füße bereits aufgerichtet sind.

Als Nachteil ist zu erwähnen, dass ich durch meine mir angelernte Gangart vermehrt Probleme mit meiner Balance feststelle – die ohnehin wenig ausgeprägt ist. Hier habe ich eine Schwäche, die durch den Ballengang verstärkt wird. Das hochreaktive Gehen auf den Fußballen stellt also auch neue Herausforderungen an den Gleichgewichtsapparat – und fördert ihn damit.

Um meine Gangart vom Hacken- auf den Ballengang umzugewöhnen musste ich mich lange bewusst auf meine Gangmechanik konzentrieren. Es dauert etwas über ein Monat, bis der erste Automatismus griff und mein Körper sein natürliches Gehmuster auf den Ballengang umstellte. Heute erscheint mir der Ballengang als einzig natürliche Art der Fortbewegung. Es ist interessant, wie sich der Körper umschulen lässt :)

Barfußgehen pro-contra

Noch besser als der Ballengang in dafür geeigneten Schuhen (die sich durch ihre flexible Sohle auszeichnen) ist das Barfuß-Gehen. Der Mensch ist durch das Barfußgehen geerdet und steht in direkter Verbindung mit dem Boden – wenn man ruhig wird und es wirken lässt spürt man richtiggehend, wie die Energie vom Boden weg durch den Körper geleitet wird um an den Extremitäten wieder nach draußen zu gelangen.

Bertram beschäftigt sich auf seinem Blog viel mit dem Thema des Barfußlaufens. Ich empfehle euch einen Besuch auf seiner Seite.

Leider ist es mittlerweile so, dass in den meisten Gebieten der Erde die Landfläche zunehmend mit Asphalt oder Beton bedeckt wird. Diese Untergründe bringen zwei grundsätzliche Nachteile im Vergleich zu einer Wiese oder weichem Waldboden mit:

  1. Der Energiefluss vom Fuß aufwärts ist verhindert, das Bodenmaterial ist leblos
  2. Der harte Untergrund führt zu größerer Belastung auf die Füße. Weicher Boden federt die Schockbelastung jedes Schrittes ab

Daher sind viele Stadtgebiete weitestgehend ungeeignet für das Barfußlaufen – da durch den Untergrund mit der Zeit Schäden am Fuß entstehen. Selbst habe ich ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass beim Gehen mit den FiveFingers dann nach etwa 10 Kilometern eine starke Reizung der Füße fällig wird, wenn ich viel auf Asphalt gehe. Daher empfehle ich für lange Aufenthalte in Städten weiterhin Schuhwerk, um die Füße zu schonen.

Wenn ihr allerdings einen Wald oder eine Grünfläche zu Verfügung habt möchte ich euch dazu einladen, öfter darauf barfuß spazieren zu gehen. Es kostet nichts und ist eine erhebende Erfahrung – das hohe Glück, an einem Morgen im Sommer barfuß durch eine Blumenwiese zu spazieren, während man den Duft der Blüten einatmet und die Reste des Morgentaus die Zehen kitzeln ist schwer in Worte zu fassen.

Probiert aus, was ihr spannend findet und berichtet von euren Erfahrungen! :)

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Eine Antwort auf Der rechte Schuh

  1. Hallo Simon,

    vielleicht magst du in Zukunft hier einmal vorbeischauen:
    http://www.einfachballengang.de

    Grüße

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