Inspiriert vom Erfahrungsbericht von Bertram gebe ich meine eigenen Erfahrungen mit den Vibram FiveFingers ebenfalls zum Besten.
Entdeckung
Von den FiveFingers habe ich bereits erfahren, da hatte ich sie einige Jahre noch nicht gekauft. Meine Freundin Carolin, die mich auch schon auf das Ballengehen angestoßen hat, hat mich seinerzeit mit den Schuhen über das Internet vertraut gemacht – damals waren sie allerdings nur in den Vereinigten Staaten zu erwerben und einen Import wollte ich mir nicht antun.
Im Sommer 2008 war es dann soweit, dass ich über die Information gestolpert bin, dass es die Schuhe auch in Österreich käuflich zu erwerben gibt – ohne sie bestellen zu müssen. Ich bin mit dem Fahrrad in die nächste Stadt gefahren und habe den dortigen Schuh-Fachhändler aufgesucht, der die FiveFingers als erstes Geschäft in dieser Stadt führte. Dort habe ich nicht lange gefackelt und mir ein Paar FiveFingers KSO gegönnt.
Erfahrungen
Bereits die ersten Schritte haben mich überzeugt: Noch nie hatte ich Schuhwerk kennen gelernt, das ein so authentisches Gefühl für den Grund unter den eigenen Füßen erzeugen kann. Nichts kommt meinem Empfinden nach dem Barfußgehen näher als das Tragen der FiveFingers.
Bertram hat die Vor- und Nachteile der Schuhe bereits in seinen Einzelheiten behandelt und ich kann mich seinen Ausführungen im Großen und Ganzen anschließen. Ich selbst hatte bislang keine Probleme mit der Qualität der Nähte rund um die Zehen – dennoch wirkt die Verarbeitung leider billiger, als der Preis das vermuten lässt – ich habe seinerzeit für meine KSO 110 Euro bezahlt. Nach etwa einem Jahr ist beim rechten Schuh der Riemen des Klettverschlusses durch exzessives Abwetzen gerissen. Nach einem Zusammennähen hält er bislang weiter – trotzdem bin ich mit diesen kleinen Einzelteilen nicht zufrieden. Vibram könnte an etwas standfesteren Materialien rund um die Schuhe selbst arbeiten.
Die Sohle ist das eigentliche Wunderwerk der Schuhe – Vibram ist immerhin in seiner Hauptfunktion ein Hersteller von Sohlen. Die einerseits glatte, andererseits aber griffige Sohle der FiveFingers erfüllt alle Funktionen: Auf ebenen Flächen stört die glatte Auflagefläche den Gang nicht, in steilem Gelände zeigt sich durch eine Biegung der Sohle das zackig gerillte Profil, das einen unerwartete guten Grip bietet. Nur bei nassen Verhältnissen sollte man auf griffigere Schuhe zurückgreifen – dann entwickelt sich eine Kletter- schnell in eine Rutschpartie, da die Sohle zu wenig Auflagefläche findet.
Vom Tragekomfort her kann ich mich über die Schuhe nicht beschweren. Ich habe meinen besten Freund rasch mit den Schuhen angesteckt und auch er hat sich bis dato noch nie beschwert, dass die Schuhe unangenehm zu tragen seien. Allein, der Asphalt hat es nicht allzu gut mit den Barfußtretern gemeint. Wenn lange Märsche über wirklich harten Untergrund anstehen kommen meine Füße rasch an ihre Grenzen. Mehr als 10 Kilometer Marschweg über Asphalt und harte Feldwege führen zu geröteten Reizungen an den Füßen, die alles andere als angenehm sind. Um zu verhindern, dass dies bereits früher auftritt ist es von besonderer Wichtigkeit, dass dieser Schuh wirklich wie angegossen sitzt. Er ist nur dann voll funktionsfähig, wenn er als zweite Haut des Körpers agieren kann.
Soziale Akzeptanz
Die FiveFingers gehören zu den schrägsten Dingen, die ich bislang getragen habe. In der Öffentlichkeit erregen diese Schuhe extreme Aufmerksamkeit. Wegen ihnen bin ich oft angesprochen worden. Interessanterweise sind die Leute niemals negativ den Schuhen gegenüber eingestellt – im Gegenteil. Sie wirken meist sehr interessiert und wollen unbedingt wissen, wie sich diese Schuhe denn tragen und ob sie denn nur für eine spezielle Tätigkeit geeignet seien.
Bei wirklich formalen Anlässen würde ich die Schuhe dennoch nicht anziehen. Dann wirken sie einfach unpassend – wenngleich die Füße sich sicher bedanken würden
Alltags-Eignung
Die meisten Leute sind meist überrascht zu hören, dass diese Schuhe sich für praktisch alle Lebenslagen eignen – abgesehen vielleicht von kalten Wintertagen. Dann ist die dünne Sohle wirklich zu wenig Wärmeisolation, um ein Erfrieren der Füße zu verhindern. An heißen Tagen können die KSO durch ihre geschlossene Bauart unangenehm sein – da wünscht man sich schnell einmal ein Modell der FiveFingers Classic.
Was ich ebenfalls nicht empfehle ist das Verwenden bei kalt-nassem Wetter. Erfahrungsgemäß wird man krank, wenn die Füße unterkühlt sind. Da das bei diesen wasserdurchlässigen Schuhen (sie sind im Wasser genauso zu Hause wie am Land) rasch passieren kann, gehört zu den Nachteilen, die sich aus den Vorteilen ergeben.
Ich habe die Schuhe bei praktisch allen Witterungen bereits getragen und denke, dass man sich wohl an die meisten Gegebenheiten gewöhnen würde, wenn man es nur lange genug tut. Es gibt schließlich auch Barfußgeher, die den Winter nicht scheuen – möglicherweise ist das Problem der Kälte nur ein Vorurteil. Das ist der individuellen Erfahrung überlassen.
Die Schuhe kann ich auf jeden Fall von ganzem Herzen empfehlen. Nie bin ich mit Schuhen so gerne gegangen wie mit den FiveFingers – nur barfuß ist noch besser ![]()
- Vibram FiveFingers Mesh und Sohle
- Vibram FiveFingers Sohle – Rillenprofil
- Vibram FiveFingers Riemen – Bereits gerissen und genäht
- Vibram FiveFingers in der Sonne






Die Reizungen treten bei längeren Märschen vor allem im Bereich der Zehenansätze auf, was sich durch ein vorab dort platziertes Pflaster wunderbar verhindern lässt!
Bin weiterhin ein großer Fan der Schuhe und trage sie gern auch bei längeren Märschen.
Was man als eigenes Thema erwähnen sollte ist, dass man selten passende Socken für die Fivefingers parat hat und deshalb (gerade wenn man zu Schweißfüßen neigt) nach einiger Tragezeit der Schweißgeruch übermächtig wird. Hier sollte man dann per Hand und mit Einsatz von warmen Wasser und Waschpulver die Schuhe einer gründlichen Wäsche unterziehen.
Die Schuhe sehen wirklich sehr interessant aus – beinahe ein bisschen Hobbitmässig
Ein Bekannter trägt die ab und zu und schwört darauf – ich bin leider an den Füssen superkälteempfindlich und bisher immer ein bisschen davor zurückgeschreckt 
@Amareon
Ich weiss nicht ob das bei diesen Schuhen wegen des Materials funktioniert – aber es gibt klasse Schuhdeos welche den Schweissgeruch resp. die Bakterien eliminieren – bei normalen Sportschuhen geht das ohne Probleme.
@Ariana:
Ich habe schon einige Deos für die Füße getestet und leider noch kein 100% zufriedenstellendes gefunden.
Die Fivefingers hin und wieder zu waschen ist aber kein Fehler, vor allem in den Rillen der Sohle und zwischen den Zehen sammelt sich Staub/Schlamm recht gerne an.
@Hobbit: Passt gut zu meinen behaarten Zehen
(vielleicht ist mir deshalb selten kalt)
@Temperatur: Es gibt verschiedene Modelle für verschiedene Einsatzgebiete, da findet sich sicher auch für die frostigen Füße etwas
Tip: New Fresh Air in die Schuhe sprühen und durchtrocknen lassen. Unbedingt im Freien machen und den Nebel nicht einatmen. Reizt die Atemwege, aber wirkt Wunder bei Gerüchen.
http://www.amazon.de/New-Fresh-Geruchsvernichter-Geruchskiller-500ml/dp/B001QJ7C3M/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1308752495&sr=8-1
Ich kann für die Schuhwäsche nur empfehlen, was Amareon schon lange praktiziert: Mit den Schuhen gemeinsam duschen gehen. Dann sind Schuhe und Träger sauber. Die Schuhe danach einfach an einen Haken hängen und trocknen lassen. Funktioniert gut
Es geht natürlich auch, mit den Schuhen gemeinsam einen Fluss zu durchwaten, danach sind sie aber meist voll von Sand…
@Ariana: Kälteempfindlichkeit lässt sich trainieren!
“An heißen Tagen können die KSO durch ihre geschlossene Bauart unangenehm sein – da wünscht man sich schnell einmal ein Modell der FiveFingers Classic.”
Das stimmt, in den KSO schwitzt man zum Teil recht schnell. Ich habe mein Paar wegen des Nahtproblems doch eingeschickt. Ich gab an, dass ich auch die Classic als Ersatz nehmen würde. Ich habe dann auch die Classic bekommen, obwohl ich sie als dritte Präferenz angegeben hatte. Vielleicht, weil sie günstiger sind. Naja, wie dem auch sei, ich war mit den KSO weit zufriedener. Für meine Zwecke, also sportliche Aktivitäten, sitzen die Classic zu locker und das Problem hinten an der Achilles ist deutlich ausgeprägter als bei den KSO. Zudem schlüpft so viel Dreck bei den Classic rein. Anfangs waren die Classic wohl nur als Bootsschuhe gedacht. Dafür sind sie m.E. auch eher geeignet als für den sportlichen Outdoor-Gebrauch.
Die Fivefingers sind auch mit speziellen Zehensocken gut zu tragen, hab es anfangs auch nicht gedacht, funktioniert aber gerade eben auch bei Schweiß perfekt für mich. Zu dem gerissenen Band kann ich nur sagen nicht fest anziehen nur den Klettverschluß umlegen und fertig, aber das scheint ja auch kein wirkliches Problem zu sein.
Und Bertram du hast recht, der KSO ist die Variante für jegliche Beanspruchung was den Sport angeht, der Classic ist der Ursprungsschuh und eher nur zum normalen gehen geeignet.
Kleines update…
Meine KSO sind am Mittwoch abend leider an der rechten Sohle komplett durchgelaufen gewesen und sind derzeit beim Händler zu einem Reparaturversuch.
Nachdem ich mir wenig verspreche (3cm langes und 2cm breites Loch in der Sohle) habe ich mir jetzt das Modell “Speed” zugelegt, die mir beim anprobieren schon sehr angenehm waren und die aufgrund der Schnürfunktion noch besser sitzen als die KSO (wobei ich da auch nie Probleme hatte). Hoffentlich hält die etwas dickere Sohle auch ein wenig länger
Und ein nochmaliges Update.
Das Model “Speed” war auf langen Strecken noch angenehmer zu tragen als die KSO – nach einem Sommer exzessiver Nutzung (ca. 60km pro Woche) scheint die Sohle leider auch kurz vor dem Exitus zu stehen. Hätte mir mehr erwartet, gerade weil ich die sohlenfeindliche Asphaltbenutzung äußerst gering gehalten habe.
Da ich jetzt in die Stadt ziehe hat sich das Thema Fivefingers (so leid es mir auch tut) wohl erledigt – die MBT werden dafür öfter zum Einsatz kommen.
Also ich bin bereits Trainingseinheiten mit 25 km gelaufen und habe weder ein Scheuern noch sonstige Probleme gesehen – hier ist die richtige Passform entscheidend. Mit dem Rutschen gebe ich Dir voll recht – nasse, glatte Oberflächen sind beim Laufen ein Problem (Kanaldeckel und so)
Ich habe meine Erfahrungen bis jetzt unter folgendem Blog veröffentlicht http://wozulaufschuhe.wordpress.com und würd mich über Kommentare freuen..