Erste Schritte in der Welt der digitalen Spiegelreflexphotographie

Anschaffung

Bevor ich vor einigen Wochen endgültig den Schritt zu meiner ersten digitalen Spiegelreflexkamera gewagt habe, bin ich einer klassischen Analysis Paralysis nahezu erlegen. Ich habe mir Stunde um Stunde theoretische Information über verschiedene Modelle von digitalen Spiegelreflexkameras zu Gemüte geführt und bin ich meiner Entscheidung nicht und nicht weiter gekommen. Je mehr Information ich absorbierte, umso unsicherer fühlte ich mich in meiner Entscheidung.

Prinzipiell wusste ich nach einigen wenigen Stunden bereits alles, was für den Kauf wichtig ist:

  • Zu allererst: Entscheidung für einen selbst treffen, ob eine digitale Spiegelreflexkamera überhaupt notwendig ist. Für viele Leute sind digitale Kompaktkameras oder Bridgekameras vollkommen ausreichend, handlicher und preisgünstiger.
  • Es gibt zwei Marktführersysteme (Canon, Nikon) und einige abgeschlagene Mitbewerber (Sony, Olympus, etc.)
  • Jedes System hat seine Stärken und Schwächen
  • Der Release-Zyklus von Prosumer-Kameras ist kürzer (1-2 Jahre), der von (semi)professionellen Kameras länger (über 3 Jahre)
  • Alle aktuellen digitalen Spiegelreflexkameras sind hochklassige Kameras mit denen wunderbare Ergebnisse möglich sind
  • Die Auswahl an und die Qualität der eigenen Objektive ist wichtiger und beständiger als das Gehäuse und wechselt seltener (ein Gehäuse kommt und geht – Glas bleibt)

Meine Entscheidung fiel auf die Canon EOS 550D im Kit mit dem EF-S 18-135mm f/3.5-5.6 IS – zu der ich bereits bei Beginn der Recherche tendierte. Das bestärkt nur noch weiter, dass ich mir die lange Recherche hätte sparen können. Die Kamera ist eine naheliegende Entscheidung – günstig, bewährt und eine breite Palette an Erweiterungen. Beeinflusst war ich von meinen Bezugspunkten zu DSLRs zu diesem Augenblick – meinem Cousin Florian Voggeneder und Torsten Winkler, dessen Blog ich aktiv verfolge.

Canon EOS 550D Kit inkl. EF-S 18-135mm f/3.5-5.6 IS

Mein neues Werkzeug: Die Canon EOS 550D
(Produktphoto von amazon.de)

Ich habe neben dem Internet auch ein Fachgeschäft für digitale Photographie besucht. Für den blutigen Anfänger im Bereich digitaler Spiegelreflexphotographie kann ich dazu allerdings nicht raten. Mangels eigener Erfahrungen war ich gezwungen, die Aussagen des Beraters unreflektiert für bare Münze zu nehmen und der Vorteil, die Kamera in die Hand nehmen zu können besteht nur darin, eine Aussage darüber zu haben, wie gut das Gerät in der Hand liegt. Funktionen, Bildqualität, etc. können nicht eingeschätzt werden, da unmittelbar erst einmal eine große Verwirrung und Überforderung durch die ganzen neuartigen Schalter und Räder besteht.

Meine Empfehlung lautet: Wählt ein bewährtes Einsteigermodell eines der Marktführer und sammelt eure Erfahrungen damit. Selbst wenn ihr mit dem Gerät bereits nach kurzer Zeit nicht zufrieden seit, wisst ihr danach bereits deutlich besser, was euren Ansprüchen entspricht. Kauft einfach bei amazon ein – die ungemein kulante Rückgabeordnung dort erlaubt euch, die Kamera auch nach eingehender Verwendung noch ohne Verluste zu retournieren.

Ob ich die Beziehung zum Fachhändler in Sachen Service in Zukunft vermissen werde, vermag ich noch nicht zu sagen. Abhängig davon wird sich meine Meinung zur Anschaffung noch ändern.

Eine weitere Empfehlung meinerseits ist es, sich nach Möglichkeit Lektüre zu seiner Kamera mit zu bestellen. Der Vorteil einer verbreiteten Kamera besteht nicht zuletzt darin, dass reichlich Lektüre genau zum eigenen Modell vorhanden ist. Ich habe mich für das Buch “Einfach besser photographieren mit der Canon EOS 550D” von Kyra Sänger entschieden. Dieses Buch hat mir das technische Fundament gegeben, um mich mit meinem Werkzeug vertraut zu fühlen und die Grundelemente von (digitaler) Photographie zu verstehen.

Erste Erfahrungen

Ein zweiwöchiges Studentenprojekt in Amsterdam war die perfekte Gelegenheit, reichlich Praxis zu sammeln. Ehe ich nach Amsterdam aufbrach, fühlte ich mich mit meinem Werkzeug noch keineswegs vertraut. Als ich nach 14 Tagen wieder zurück kam, war meine Beziehung zu meiner Kamera eine gänzlich andere.

Ein zentraler Faktor meines Erfahrungsgewinns bestand darin, dass ein erfahrenerer Studentenkollege von mir ebenfalls sehr aktiv photographierte (kurioserweise exakt mit derselben Kamera/Objektivkombination wie ich ausgestattet) und mich in dieser Zeit viele Grundlagen lehren konnte. Der Austausch mit einem anderen Photographen hat mir – neben dem Schießen eigener Bilder – in dieser Zeit am meisten genutzt.

Bereits früh musste ich mich mit den technischen Limitationen des von mir erworbenen Gesamtpakets auseinander setzen. Angekommen in Amsterdam, fand ich mich für den Rest der 14 Tage meist damit konfrontiert, in schlecht beleuchteten Innenräumen zu schießen. Mein EF-S 18-135/3.5-5.6 ist leicht, handlich und verfügt über einen komfortablen Brennweitenbereich. Diese Kombination an Eigenschaften führt zwangsweise zu Nachteilen – hier ist es die Lichtstärke, die über den gesamten Brennweitenbereich zu kurz kommt. Wusste ich beim Erwerb meiner Kamera noch nicht viel über Lichtstärke, war ich nun mit ihrer Bedeutsamkeit konfrontiert. Die ersten Tage war ich mehrheitlich frustriert über viele Bilder. Die EOS 550D kann – bedingt durch den kleinen Sensor – kein überragendes Rauschverhalten an den Tag legen – ab ISO 1600 sind die Bilder in Bildschirmgröße bereits sehr unangenehm verrauscht. In diesen Tagen musste ich meist auf ISO 3200 hoch gehen und konnte dennoch keine Bilder schießen, die ausreichend beleuchtet und frei von Bewegungsunschärfe sind. Auch wenn photographische Fähigkeiten wichtiger sind als die Ausrüstung des Photographen: In dieser Situation konnte ich mich über die optischen Limitationen meiner Ausrüstung nicht erheben.

Anfänglich war es reine Neugierde, die mich dazu bewog, mir ein weiteres Objektiv in das Hotel nachsenden zu lassen – doch es sollte sich als beste Entscheidung der zwei Wochen erweisen. Das EF 50mm f/1.8 II, das ich nun in meinen Händen hielt hatte endlich die Lichtstärke, die mir für den Rest der Zeit neue photographische Welten offenbarte.

Canon EF 50mm f/1.8 II

Canon EF 50mm f/1.8 II
Photographischer Game Changer meines Amsterdam-Aufenthalts
(Produktphoto von amazon.de)

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch meinen Einstieg in die Welt der Photographie zieht ist, dass meine Erfahrungen alle meine davor getroffenen theoretischen Annahmen über den Haufen werfen. Ehe ich meine Kamera erwarb war ich der Meinung, dass mich unbewegte Objekte photographisch am meisten interessieren würden. In den zwei Wochen Amsterdam entwickelte ich aber eine große Freude am Ablichten von Menschen – bevorzugt bei schlechten (sprich: interessanten) Lichtverhältnissen (Innenräume) und wenig Tiefenschärfe.

Meine ersten Erfahrungen nahmen mir auch jede Freude am Blitzlicht – der eingebaute Blitz der EOS 550D zerstörte die gesamte Grundstimmung der Motive, die ich aufnahm. Ob ich dies mit externem Blitz, Diffusor und indirektem Blitzen anders erleben werde, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen.

Optische Analyse-Paralyse

Meinen Fehler beim Erwerb der Kamera habe ich danach mit den zugehörigen Optiken wiederholt. Gezeichnet von den Erlebnissen in Amsterdam habe ich bereits dort fanatisch auf Rezensions-Seiten wie Bryan Carnathan’s the-digital-picture.com Objektiv-Rezensionen zu lesen begonnen. Die Seite picke ich heraus, weil ich sie besonders gut finde. Ich habe bereits viele Stunden dort verbracht und bin von Bryans ausgiebiger Berichterstattung begeistert. Befeuert davon habe ich Ewigkeiten in der Recherche eines neuen Standard-Zoomobjektivs verbracht, das das für mich unbrauchbare EF-S 18-135/3.5-5.6 ersetzen soll. Nach einem ewigen Hin und Her habe ich mich für das von Bryan hochgelobte EF-S 17-55mm f/2.8 IS USM entschieden – um die Schwäche an Lichtstärke des Vorgängers zu beheben.

Canon EF-S 17-55mm f/2.8 IS USM

Canon EF-S 17-55mm f/2.8 IS USM
Groß, gewichtig - und für mich leider nur die zweite Wahl
(Produktphoto von amazon.de)

Auch hier sollten meine Erfahrungen meine theoretischen Überlegungen eines Besseren belehren. Bereits erste Photos abends in meiner Wohnung haben mich maßlos von meinem Erwerb enttäuscht – es hätte an diesem Abend mindestens f/2 gebraucht, um bei einer Auslösezeit von 1/100′ (die ich gewöhnlich verwende, um Bewegung einzufrieren) eine ausreichende Belichtung zu garantieren.

Eine zweite Erkenntnis also: Für Stop Action-Photographie in mit künstlichem Licht beleuchteten Räumen sind alle Zoom-Objektive zu lichtschwach. Dafür braucht es lichtstarke Festbrennweiten.

Das führt dazu, dass das nicht gerade günstige EF-S 17-55/2.8 für mich meist nur die zweite Wahl ist. Das merke ich nicht zuletzt daran, dass ich meist rasch dazu neige, das große und schwere Zoomobjektiv von der Kamera zu nehmen und es mit dem deutlich handlicheren EF 50mm f/1.4 USM zu ersetzen, das nach einem Vergleichstest das EF 50/1.8 ersetzt hat. Für mich gibt es nur zwei Gründe, die Zoom-Linse zu verwenden:

  • 50mm – an meiner Crop-Kamera effektiv 80mm – sind oft eine zu lange Brennweite, die weniger ablichtet, als mein Auge sieht
  • Wenn Lichtstärke kein Thema ist und das rasche Wechseln der Brennweite mehr Flexibilität bringt – z.B. bei Arbeiten mit dem Stativ oder unterwegs bei Tageslicht

Canon EF 50mm f/1.4 USM

Canon EF 50mm f/1.4 USM
In den meisten Situationen meine absolute Lieblingsoptik
(Produktphoto von amazon.de)


Daraus lässt sich schlussfolgern, dass das EF-S 17-55/2.8 in verschiedenen Aspekten ein Fehlkauf war, da ich die selbe Abbildungsqualität zu einem geringeren Preis hätte haben können (EF-S 15-85mm f/3.5-5.6 IS USM) oder um den selben Preis eine bessere Verarbeitungsqualität und mehr Brennweiten-Flexibilität (EF 24-105mm f/4 L IS USM). Ich werde das Objektiv dennoch behalten, da ich in verschiedenen Situationen auf Optiken mit weniger als 80mm effektiver Brennweite angewiesen bin.

Ich möchte an dieser Stelle auf alle Fälle dazu anregen, Optiken vor dem Kauf ausgiebig anzutesten. Auch hier bietet sich amazon.de durch seinen kulanten Rücknahme-Service als Anlaufstelle an. Das Objektiv lässt sich später immer noch gebraucht kaufen – zum Beispiel in den gut besuchten Gebraucht-Marktplätzen von dforum.net oder dslr-forum.de. Objektive verlieren ihre technische Leistungsfähigkeit durch ihr Alter nicht und werden gebraucht gerne 20-25% unter ihrem Neupreis verkauft, wo der Preis unabhänig vom Alter meist stagniert.

Erste Ergebnisse

Um dieses Posting nicht zu einer reinen Technik-Diskussion verkommen zu lassen, schließe ich es mit einer Gallerie der – meiner Meinung nach – besten Aufnahmen, die mir in den 14 Tagen Amsterdam gelungen sind. Jedes Bild ist mit Kommentaren versehen, warum ich es ausgewählt habe. Ich möchte an dieser Stelle ins Bewusstsein rufen, dass ich in den 14 Tagen mindestens 2.500 Photos geschossen habe. Über ein Drittel habe ich nach der Aufnahme sofort wieder gelöscht, ein weiteres Drittel wurde im Rahmen des Post-Processings gelöscht. Insgesamt bleiben mir nur circa 25 Photos, denen ich das Prädikat bemerkenswert verleihe. Das ist nur 1% aller Aufnahmen.

Fazit: Von 100 mal, die der Auslöser gedrückt wird, bleiben oft nur ein bis zwei wirklich gute Bilder übrig.


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2 Antworten auf Erste Schritte in der Welt der digitalen Spiegelreflexphotographie

  1. Mareike sagt:

    Vielen dank für deine ehrlichen und verständlichen Aussagen zum Einstieg in die Digitale Fotografie. Ich habe mir jetzt auch eine Canon 550d angeschafft als Kit. Und werde mir glaub ich auch mal bei Amazon Objektive bestellen. Mein Ziel ist es die Tochter meist drinnen zu fotografieren.

    • Hallo Mareike,

      wenn du deine Tocher drinnen fotographieren möchtest, wirst du bald Freude mit lichtstarken Festbrennweiten haben. Kunstlicht ist viel schwächer als Sonnenlicht draußen – die meisten Zoom-Objektive straucheln rasch mit diesen Lichtverhältnissen, auch am Tag. Ich kann das Canon EF 50mm f/1.4 sehr empfehlen, es liefert mir wundervolle Bilder bei fast allen Lichtverhältnissen. Nur der Autofokus ist etwas träge.

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