So ein Topfen

Schärdinger Koch&Back Topfen

So ein Topfen kann echt Kopfzerbrechen bereiten


Manchmal werden Alltagsentscheidungen ordentlich schwer. Beim Kauf eines Packerls Topfen ist mir eine ganze Klasse von Problemen bewusst geworden. So ertappe ich mich regelmäßig dabei, minutenlang vor dem Regal zu stehen und hin und her zu überlegen, welches Produkt ich jetzt kaufen kann oder nicht. Besser gesagt: Welches Produkt ich jetzt hier kaufen kann oder nicht. In meinem Kopf spuken Zahlen herum: Hier kostet ein Packerl Topfen 10 Euro-Cent weniger als dort. Wenn ich aber extra für den Topfen zum günstigeren Laden fahren muss, kostet das auch wieder Sprit. Wie viel? Und komme ich vielleicht durch eine andere Aufgabe dort heute noch vorbei? Wie viele Packerl muss ich kaufen, damit sich das auszahlt? Wie viel Extra-Zeit nimmt das in Anspruch? Der Topfen hier ist aus Heumilch, der andere nicht. Wie darf ich das bewerten? Wie viel Geld ist dieses Attribut wert?

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Es fällt mir schwer, eine Entscheidung zu treffen. Mein Verstand verlangt nach Gewinnmaximierung. Eine Maximierung erreicht er dabei gut und gerne auch: Nämlich eine Stressmaximierung. Meine Lebensqualität dagegen fühle ich ordentlich minimiert. Denn ob ich mich nun für dieses Geschäft oder für das nächste entscheide: Die Unsicherheitsfaktoren, die immer mitschwingen, vermiesen mir das Zufriedenheitsgefühl, das mit dem Kauf eintreten sollte.

Im Grund kann ich es nur falsch machen, denn um es richtig zu machen, müsste ich schon im Vorhinein wissen, was am Ende die beste Entscheidung ist. Das Wissen habe ich nicht und kann es nicht haben. Ein wenig überlegen beim Einkaufen ist sinnvoll und empfehlenswert, aber wenn ich länger als ein paar Sekunden bei Lebensmitteln überlegen muss, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein weiteres Überlegen meine Entscheidung nicht mehr besser machen wird. Bei Digitalkameras wird die Entscheidung nach ein paar Stunden Intensiv-Recherche im Übrigen auch nicht mehr spürbar besser.

Dann entscheidet doch lieber der Bauch. Und nimmt den verdammten Topfen einfach. Denn ein paar Euro-Cent sind es echt nicht wert, sich den Tag vermiesen zu lassen und schon gar nicht existenziell bedrohlich.

Für mich ein echt triftiger Grund, warum mich ein Leben mit minimalen Mitteln (lese auch cbx’s Experiment zum Thema Hartz4 und die Kopie von derStandard.at) brechen würde. Auf einmal würden solche Entscheidungen finanziell notwendig werden. Und dann wär’s für einen wie mich aus mit dem Seelenfrieden.

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2 Antworten auf So ein Topfen

  1. Hm, ich denke, der letzte Absatz mit dem Aus für den Seelenfrieden ist ein Trugschluß deinerseits. Sicher haben wir uns mit der Zeit eine gewisse dekadente Bequemlichkeit zu eigen gemacht. Jedoch komme ich aus einer Familie, die anfangs nicht viel hatte. Wir hatten z.B. kein fließendes Warmwasser und keine festeingebaute Wanne in unserer 3-Zimmersozialwohnung, in der wir zu viert mit Hund lebten. Und mit 3 Zimmern meine ich genau drei Zimmer. Die Toilette war anfangs noch am Gang und wurde von den Nachbarn mitbenutzt. Zum Baden wurden die dezentralen Öfen (entweder Kohle/Holz oder Öl) angeworfen, damit es warm in der Bude war. Dann trug ich eine mittelgroße Eisenwanne aus dem Keller und die wurde mit heißem Wasser gefüllt, das vom Gasherd gekocht wurde. Traditionell badeten zuerst die Eltern und dann die Kinder.

    Da gäbe es in dieser Richtung noch mehr zu erzählen, aber worauf möchte ich hinaus? Sicher war es nicht immer leicht, auf bestimmte Sachen verzichten zu müssen, aber man hatte einen direkteren Bezug zu einem bodenständigen Leben. So wie ich es verstehe. Wenn man weniger hat, weiß man dieses Wenige mehr zu schätzen. Hört sich jetzt vielleicht irre dramatisch an, aber das ist es nicht.

    Wie du sicher weißt (damit versuche ich jetzt, dich bewußt zu manipulieren ;-) , sind es unsere gestiegenen (oder vielleicht nie anders gekannten) Ansprüche, die wir an unser Leben und andere haben, die uns ein Genießen verleiden. Ein einfache(re)s Leben mit weniger Mitteln ist oft erfüllender als unser vermeintliches “Rundumglücklichpaket”, das so gar nicht existiert.

    Die Krux, die ich momentan sehe: Wir haben zuviel Wahlmöglichkeiten. Die Folgerung für mich: Weniger ist mehr. Stell’ dir vor, es gäbe nur einen Laden in der Nähe, den du zu Fuß erreichen kannst und du hast keine anderen Verkehrsmittel. In dem Laden gibt es genau eine Sorte Topfen. Welchen Topfen wirst du nun kaufen und essen?

    Bei Kleinigkeiten großzügig sein und bei großen Dingen etwas mehr “kleinlich” ;-)

    Viele Grüße, dein Mitleser Thomas

  2. cbx sagt:

    Thomas hat mit seinem kleinen Schwank aus der Vergangenheit sicher einen sehr guten Punkt gemacht. An dem Tag, als ich mir nichts, dir nichts plötzlich meinen sehr gut bezahlten Job los war, dachte ich auch, ich würde umgehend verhungern und in einem Karton unter einer Innbrücke schlafen müssen. Nichts davon geschah, in Gegenteil, nach einigen Tagen wich die Anspannung einer eigenartigen Entspanntheit, dem Wissen wie viel der anscheinend so lebensnotwendigen Dinge, die an unseren Bankkontenzerren, letztlich vollkommen verzichtbar sind.

    Und was das Eingangsthema betrifft, so verstehe ich, was Du meinst. Insbesondere seit dem Hartz-IV-Experiment aber nehme ich entspannt lächelnd zur Kenntnis, dass mir der Komfort, nicht länglich nachdenken zu müssen, ob ich Produkt A oder dich das vielleicht 1.3% billigere Produkt B kaufe, den Mehrpreis allemal wert ist. Ja, ich bezahle gerne für diesen Komfort.

    Und sollte ich einmal nicht mehr in der Situation sein, diesen Preisunterschied ignorieren zu können, verschiebt sich die Fragestellung eh in eine ganz eindeutige Richtung.

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