Meine eigene Beziehung zum Thema Ernährung war über lange Jahre nicht die gesündeste. Als Kind und Jugendlicher habe ich mich weitestgehend blind darauf verlassen, das zu essen, was meine Eltern mir auf dem Mittagstisch vorsetzten (wobei ich einige Nahrungsmittelkategorien verweigerte – meine Abscheu vor Wurst und Gemüse ist mir beispielsweise noch in bester Erinnerung), obwohl ich mit den Jahren und fortschreitender Selbstständigkeit in der Zusammenstellung meiner eigenen ‘Speisekarte’ immer stärker in Richtung zuckerlastiger Ernährung tendierte, bis ich als pubertierender Jugendlicher den Gutteil meines Kaloriensoll aus Einfachzuckern bezog – Schokolade, Kekse und Kuchen in rauen Mengen waren in dieser Phase an der Tagesordnung – eines meiner Rituale war beispielsweise, allmorgendlich den der Schule nächstgelegenen Supermarkt aufzusuchen und dort einen Fertigkuchen aus dem Backwarenregal zu erstehen. Meine Körperfülle entwickelte sich durch dieses Verhalten entsprechend und bescherte mir eine leidgeprüfte Jugend, das unattraktive Äußere immer präsent durch eine große Menge an Spott und Häme, die mir zuteil wurde. Meine Blinddarmoperation, die ich mit 13 Jahren über mich ergehen lassen musste, mag unter anderem auch mit der Riesentafel Schokolade zusammenhängen, die ich an jenem Tag auf einen Sitz verzehrte.
Ich kann den Tag nicht genau benennen, an welchem ich mich definitiv entschloss, mein Verhalten nachhaltig zu verändern, doch war es der Sommer zwischen meinem fünf- und sechszehnten Lebensjahr, in dem mir mein erster Urlaubsaufenthalt in einem Ferienclub im Ausland den endgültigen Beschluss einimpfte, etwas verändern zu wollen. Zwar sah ich mich in dieser Woche unter glühender Sonne nicht den schmerzvollen Spöttereien über mein Äußeres ausgesetzt, doch war ich unvermindert voll der Scham über mein Äußeres – ich war nicht im Geringsten mit der Situation zufrieden, was mir genügend Frustration verschaffte, das Ruder herum zu reißen.
Von da an versuchte ich es auf gut Glück, die Situation zu meinen Gunsten zu verändern. Ohne Wissen über die Thematik versuchte ich es hauptsächlich mit dem Stilmittel des Verzichts, mein Körpergewicht einzudämmen. Ein Mehr an Bewegung war zwar zu verzeichnen, hat sich allerdings weder vom damaligen noch vom heutigen Standpunkt aus die Bezeichnung „sportliche Aktivität“ verdient. Wenn also einmal mehr ein Kuchen auf dem Tisch gestanden hat, war ich dieses Mal nicht der erste, der beherzt zugriff, sondern hielt mich strategisch zurück. Die Methodik war simpel und einfach: Weniger essen, mehr abnehmen – so dachte ich zumindest.
Erfolg war mir durchwegs beschieden – ich konnte mein Körpergewicht von annähernd 90 kg auf 1.7x Meter Körpergröße auf schließlich (am Tiefpunkt) 69 kg auf etwas über 1.8 Meter Körpergröße senken. Damals hatte ich noch kein Wissen darüber, wie Nahrung auf den Körper wirkt und weshalb ich das Gewicht nun wirklich abgenommen habe. Die darauf folgenden Jahre sollte ich dieses Wissen erlangen – obgleich ich es nicht weiter dringlich benötigte.
Als ich mich mit Sport zu beschäftigen begann (mehr dazu im Kapitel Training), erwachte auch das Interesse am Thema gesunder und sportgerechter Ernährung -bis heute mein Steckenpferd im Bereich der Sportwissenschaften. Ich begann zu lernen, wie Ernährung auf den Körper und die Psyche wirkt und wie Anpassungen in der Ernährung vielfältige Auswirkungen auf verschiedenste Lebensbereiche haben können. Obwohl es sich bei dem, was ich gelernt habe, anfänglich lediglich um Bücherwissen handelte, konnte ich die wahren Erkenntnisse alle nur durch praktische Anwendung dessen, was meine Lektüre zu vermitteln versuchte, erfahren.

