Mit dem Begriff “Sport” verband ich viele Jahre ausschließlich negative Gedanken. Mir ist wohlbekannt, dass es viele Menschen gibt, die meine Situation nachfühlen werden können: Ungeschickt, untalentiert, übergewichtig. Die alle Freude am Sport zerstörende Triade, die mich meine gesamte Jugend hindurch begleitete (abgesehen vom Übergewicht gilt dies auch für meine Kindheit). Dazu kommen die bis heute andauernde Schwierigkeiten, Niederlagen und Rückschläge einfach weg stecken zu können, wenngleich sich die Situation merklich gebessert hat.
Die Voraussetzungen durften sich also ‚perfekt‘ taufen, um mich für ein Leben ohne jegliche sportliche Betätigung zu prägen. Dennoch habe ich eine neue Freundschaft mit der sportlichen Aktivität knüpfen können. 19 Jahre sind alles andere als früh für eine erste positive Bekanntschaft mit der Thematik, was mich jedoch nicht davon abbringen hat können, mich tiefergehend mit ihr zu beschäftigen.
Der prägende Grund für das Interesse waren in erster Linie die Möglichkeiten, den eigenen Körper (und mit ihm auch die Psyche) zu transformieren. Erst später habe ich mich für die Eigenschaften der sportlichen Aktivität als Ausgleich zu einer vorrangig sitzenden Tätigkeitsform, wie es das Studentenleben nun einmal ist, zu interessieren begonnen. Sport wirkt auf mehr Ebenen, als man auf den ersten Blick meinen mag – und kennt dabei so viele Ausprägungen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass jeder Mensch das für ihn Richtige dabei findet.
Anfänge
Meine eigenen Erfahrungen beginnen mit kümmerlichen Versuchen von Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, Bizeps-Curls mit einer Kurzhantel und einem ein halbes Jahr laufenden Vertrag für ein Fitness-Studio, der mich damals annähernd mein ganzes flüssig verfügbares Geld gekostet hat. Richtig angefangen hat alles aber erst durch die Bekanntschaft mit einem Untermieter in meinem Elternhaus (Mitglied einer Polizei-Spezialeinheit, beeindruckend muskelbepackt und stark) und sein Vermächtnis, das bis heute unseren Dachboden bevölkert: Eine Hantelbank mitsamt Langhantel und reichlich Eisen (130 Kilogramm). Das Internet ist danach einmal mehr Sprungbrett für einen wichtigen Schritt meinerseits – ich erkundige mich nach Trainingsplänen und beginne mich mit der Materie auseinander zu setzen.
Intensiver Forengebrauch und die angenehme Diskussionskultur in dem Forum, das ich gewählt habe (auch heute noch hier zu finden) haben mein Interesse hoch gehalten und mich über die ersten Monate begleitet, bis sich die ersten beiden Jahre dem Ende zu neigen. Mittlerweile finde ich kaum noch Neues auf der Plattform, hinterlasse Leitfäden zum Thema Ernährung und Training und folge dem Ruf eines Bekannten in sein Forum (hier zu finden). Mit der Übersiedlung beginnt sich auch die Ausrichtung meines Trainings zu verändern. Weg von den Gewichten, mehr hin zur Arbeit mit dem eigenen Körpergewicht – und wieder zurück zu den Gewichten, allerdings anders trainierend als zuvor. Ich lerne neben Kurz- und Langhanteln auch die Klimmzugstange, Turnerringe und Kugelhanteln kennen und lieben und lese mich durch ein paar wenige Kraftsportbücher. Vor allem die Bücher von Jürgen Reis hinterlassen bei mir einen bleibenden Eindruck. Jürgen und dessen Podcast-Projekt power-quest.cc sind es auch, die mich in meiner sportlichen Laufbahn einen entscheidenden Schritt weiter bringen.
Erfahrungen
Es sind nicht nur fachliche Tipps, die Jürgens Bücher für mich so wertvoll gemacht haben, vor allem war es der Kontakt zu seinem Podcast-Mit-Autor Dominik Feischl, der sich für mich in Gold nicht mehr aufwiegen lässt. Mit einem Besuch bei einem von Dominiks ersten Seminaren (damals zum Thema „Training mit Kugelhanteln”) und zwei weiteren Seminaren (ein Wintertraining sowie ein Griffkraft-Trainingsseminar) ist es nicht getan – auf gemeinsame Unterredung hin wird die Initiative CrassFit aus der Taufe gehoben und mir somit ein neuer Level der Möglichkeiten geboten. War ich davor abseits des Internets auf mich alleine gestellt, hatte ich nun Kumpanen an meiner Seite, mit denen das gemeinsame Training großartig ist – und nur einen Teil des gesamten Benefits darstellt. Der wirkliche Wert liegt im Austausch unter sportinteressierten Menschen. So überzeugt ich in meinen Anfängen vom Training für sich zu Hause war (und es noch immer bin), so überzeugt bin ich nun von der Kraft, die gute Trainingspartner einem geben können.
Als Resultat all dieser Schritte habe ich mich vom Prototyp eines unsportlichen jungen Erwachsenen zu jemandem gemausert, der von sich behaupten kann, kein vollkommen blutiger Anfänger mehr zu sein. Zwar sind die Dinge, die es noch zu lernen gibt, unendlich viele im Vergleich zu meinem bereits vorhandenen Wissen – doch gibt es einem ein gutes Gefühl, die Basis verinnerlicht zu haben – von einer Meisterschaft der selbigen ist dennoch noch lange nicht die Rede.

