Beitrags-Archiv für die Kategory 'Gesundheit'

Nike Free: Erfahrungen

Freitag, 14. Mai 2010 14:01

Der erste Schuh, mit dem ich in Kontakt gekommen bin, nachdem ich mich über das Barfußgehen informieren habe lassen war ein Modell aus der Reihe Nike Free.

Nike Free 5.0 V2

Mein erstes Modell war ein Nike Free 5.0 V2. Bislang war ich reguläres Schuhwerk gewohnt und habe entweder schwerere Turnschuhe oder meine davor lieb gewonnenen Doc Martens mit Stahlkappe getragen. Diese schweren Treter gewohnt war es für mich eine ganz neue Erfahrung in diese federleichten Turnschuhe zu schlüpfen. Mangels schwerer Sohle und dickem Außenmaterial kommen die Nike Free in Summe auf etwa 350 Gramm – was dazu führt, dass man sie beim Tragen noch nicht einmal bemerkt. Ein erster Pluspunkt.

Was die Nike Free so besonders macht ist ihre Sohle. Während andere Hersteller ihre Schuhe auf Basis ihrer Dämpf- und Stabilisationseigenschaften anpreisen, verzichtet der Nike Free auf diese Merkmale. Stattdessen hat die Sohle den Vorteil einer extremen Flexibilität – sie lässt sich extrem gutmütig verbiegen. Da der Fuß beim Ballengehen meist angewinkelt ist und nicht gerade am Boden aufliegt ist eine solche Flexibilität notwendig, um Druckstellen im Bereich des Mittelfußes zu vermeiden – viele schwere Schuhe führen nämlich genau dazu, wenn sie im Ballengang verwendet werden.

Von ihren Qualitäten begeistert habe ich mein erstes Paar Nike Free als praktisch einziges Paar Schuhe über einen Zeitraum von etwas über einem Jahr getragen. Beigelegt waren dem Schuh zwei Paar Einlagen, die noch einmal eine Regulation der Dämpfung entscheiden (mit 5.0 und 4.5 beschriftet). Die Verarbeitung der Schuhe ist gut, sie haben mich ohne Probleme über den Zeitraum getragen – bis die Stoffverkleidung eines der beiden Schuhe w.o. gegeben hat. Dieser Riss hat zwar eher ästhetische als funktionelle Probleme nach sich gezogen, reichte aber für die Entscheidung, ein neues Paar anzuschaffen.

Nike Free 7.0

Mein zweites Paar Nike Free sind blitzblaue Nike Free 7.0, derentwegen ich schon viele schräge Blicke gesammelt habe. Es ist ungewöhnlich, Schuhe in dieser Farbe zu tragen – allerdings gefallen sie mir außerordentlich gut.

Der markanteste Unterschied zwischen beiden Schuhen ist die Dicke der Sohle. Die 7.0 kommen regulären Schuhen bereits wieder näher und sind robuster in der Aufmachung – der Fuß ist vollverkleidet und die Sohle dicker.

Mein zweites Paar Nike Free habe ich über die annähernd zwei Jahre, die ich sie nun besitze, nicht so oft getragen wie ihre Vorgänger. Hauptsächlich dafür verantwortlich war die Anschaffung eines Paar Vibram FiveFingers im Folgejahr. Bis heute trage ich sie ohne Probleme und Materialfehler – auch ihre Farbe haben sie für ihr Alter gut gehalten. Ein Studienkollege hatte mir kurz nach dem Kauf noch prophezeit, es bringe mir nichts, blaue Schuhe zu tragen, da sie nach einem Jahr so braun seien wie alle anderen auch :D

Modelle

Die Modellpalette der Nike Free umfasst die Modelle 3.0, 4.0, 5.0 und 7.0. Der Unterschied der Modelle zueinander liegt im Kontinuum Barfuß <-> Schuh. Während der Nike Free 3.0 dem Barfußgehen schon extrem nahe kommt, ist der Nike Free 7.0 einem regulären Schuh bereits wieder ähnlicher. Aktuell im Nike Store zu haben sind nur die Modelle 5.0 V4 und 7.0 V2 – allerdings mittlerweile farblich komplett anpassbar. Der Preis ist mit etwa 130 Euro zwar etwas hoch – für einen individuellen Schuh allerdings verträglich.

Für den ist der Schuh also eine gute Idee? Für alle, die leichtes Schuhwerk dem schweren gegenüber bevorzugen. Für alle, die überlegen, ihre Gangart zu wechseln. Für alle, die viele Meter pro Tag machen.

Der Schuh ist zwar als Laufschuh konzipiert, meiner Meinung nach aber ein optimaler Schuh für den Alltag. Ich kann ihn nur von ganzem Herzen weiterempfehlen :)

Thema: Gesundheit | Kommentare (2) | Autor: Simon Voggeneder

Vibram Five Fingers: Erfahrungen

Freitag, 14. Mai 2010 13:53

Inspiriert vom Erfahrungsbericht von Bertram gebe ich meine eigenen Erfahrungen mit den Vibram FiveFingers ebenfalls zum Besten.

Entdeckung

Von den FiveFingers habe ich bereits erfahren, da hatte ich sie einige Jahre noch nicht gekauft. Meine Freundin Carolin, die mich auch schon auf das Ballengehen angestoßen hat, hat mich seinerzeit mit den Schuhen über das Internet vertraut gemacht – damals waren sie allerdings nur in den Vereinigten Staaten zu erwerben und einen Import wollte ich mir nicht antun.

Im Sommer 2008 war es dann soweit, dass ich über die Information gestolpert bin, dass es die Schuhe auch in Österreich käuflich zu erwerben gibt – ohne sie bestellen zu müssen. Ich bin mit dem Fahrrad in die nächste Stadt gefahren und habe den dortigen Schuh-Fachhändler aufgesucht, der die FiveFingers als erstes Geschäft in dieser Stadt führte. Dort habe ich nicht lange gefackelt und mir ein Paar FiveFingers KSO gegönnt.

Erfahrungen

Bereits die ersten Schritte haben mich überzeugt: Noch nie hatte ich Schuhwerk kennen gelernt, das ein so authentisches Gefühl für den Grund unter den eigenen Füßen erzeugen kann. Nichts kommt meinem Empfinden nach dem Barfußgehen näher als das Tragen der FiveFingers.

Bertram hat die Vor- und Nachteile der Schuhe bereits in seinen Einzelheiten behandelt und ich kann mich seinen Ausführungen im Großen und Ganzen anschließen. Ich selbst hatte bislang keine Probleme mit der Qualität der Nähte rund um die Zehen – dennoch wirkt die Verarbeitung leider billiger, als der Preis das vermuten lässt – ich habe seinerzeit für meine KSO 110 Euro bezahlt. Nach etwa einem Jahr ist beim rechten Schuh der Riemen des Klettverschlusses durch exzessives Abwetzen gerissen. Nach einem Zusammennähen hält er bislang weiter – trotzdem bin ich mit diesen kleinen Einzelteilen nicht zufrieden. Vibram könnte an etwas standfesteren Materialien rund um die Schuhe selbst arbeiten.

Die Sohle ist das eigentliche Wunderwerk der Schuhe – Vibram ist immerhin in seiner Hauptfunktion ein Hersteller von Sohlen. Die einerseits glatte, andererseits aber griffige Sohle der FiveFingers erfüllt alle Funktionen: Auf ebenen Flächen stört die glatte Auflagefläche den Gang nicht, in steilem Gelände zeigt sich durch eine Biegung der Sohle das zackig gerillte Profil, das einen unerwartete guten Grip bietet. Nur bei nassen Verhältnissen sollte man auf griffigere Schuhe zurückgreifen – dann entwickelt sich eine Kletter- schnell in eine Rutschpartie, da die Sohle zu wenig Auflagefläche findet.

Vom Tragekomfort her kann ich mich über die Schuhe nicht beschweren. Ich habe meinen besten Freund rasch mit den Schuhen angesteckt und auch er hat sich bis dato noch nie beschwert, dass die Schuhe unangenehm zu tragen seien. Allein, der Asphalt hat es nicht allzu gut mit den Barfußtretern gemeint. Wenn lange Märsche über wirklich harten Untergrund anstehen kommen meine Füße rasch an ihre Grenzen. Mehr als 10 Kilometer Marschweg über Asphalt und harte Feldwege führen zu geröteten Reizungen an den Füßen, die alles andere als angenehm sind. Um zu verhindern, dass dies bereits früher auftritt ist es von besonderer Wichtigkeit, dass dieser Schuh wirklich wie angegossen sitzt. Er ist nur dann voll funktionsfähig, wenn er als zweite Haut des Körpers agieren kann.

Soziale Akzeptanz

Die FiveFingers gehören zu den schrägsten Dingen, die ich bislang getragen habe. In der Öffentlichkeit erregen diese Schuhe extreme Aufmerksamkeit. Wegen ihnen bin ich oft angesprochen worden. Interessanterweise sind die Leute niemals negativ den Schuhen gegenüber eingestellt – im Gegenteil. Sie wirken meist sehr interessiert und wollen unbedingt wissen, wie sich diese Schuhe denn tragen und ob sie denn nur für eine spezielle Tätigkeit geeignet seien.

Bei wirklich formalen Anlässen würde ich die Schuhe dennoch nicht anziehen. Dann wirken sie einfach unpassend – wenngleich die Füße sich sicher bedanken würden ;)

Alltags-Eignung

Die meisten Leute sind meist überrascht zu hören, dass diese Schuhe sich für praktisch alle Lebenslagen eignen – abgesehen vielleicht von kalten Wintertagen. Dann ist die dünne Sohle wirklich zu wenig Wärmeisolation, um ein Erfrieren der Füße zu verhindern. An heißen Tagen können die KSO durch ihre geschlossene Bauart unangenehm sein – da wünscht man sich schnell einmal ein Modell der FiveFingers Classic.
Was ich ebenfalls nicht empfehle ist das Verwenden bei kalt-nassem Wetter. Erfahrungsgemäß wird man krank, wenn die Füße unterkühlt sind. Da das bei diesen wasserdurchlässigen Schuhen (sie sind im Wasser genauso zu Hause wie am Land) rasch passieren kann, gehört zu den Nachteilen, die sich aus den Vorteilen ergeben.

Ich habe die Schuhe bei praktisch allen Witterungen bereits getragen und denke, dass man sich wohl an die meisten Gegebenheiten gewöhnen würde, wenn man es nur lange genug tut. Es gibt schließlich auch Barfußgeher, die den Winter nicht scheuen – möglicherweise ist das Problem der Kälte nur ein Vorurteil. Das ist der individuellen Erfahrung überlassen.

Die Schuhe kann ich auf jeden Fall von ganzem Herzen empfehlen. Nie bin ich mit Schuhen so gerne gegangen wie mit den FiveFingers – nur barfuß ist noch besser :)

Thema: Gesundheit | Kommentare (7) | Autor: Simon Voggeneder

Der rechte Schuh

Freitag, 14. Mai 2010 13:44

Mich interessieren besonders jene Themen, die jeden Tag aufs Neue nicht zu umgehen sind. Die Wahl des Schuhwerks gehört zu ihnen. Wie bei vielen anderen Themen ist es auch hier so, dass es sozial konforme Komfortlösungen gibt, die sich wenig mit der Wahrheit jenseits der 08/15-Lösung beschäftigen.

Der Stellenwert des Schuhs

Auf die eigenen Schuhe legen die wenigsten Leute wert – zumindest im Sinne der Gesundheit. Schuhe werden bestenfalls als Fashion-Artikel betrachtet und sind ein ewiger Quell der Klischees gegenüber Frauen. Männer achten bei Schuhen mehr darauf, dass sie praktisch sind oder zum Anzug passen. Besonders beliebt sind günstige Modelle vom Schuh-Diskonter. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass Schuhe ein Teil unserer Bekleidung sind, die uns praktisch jeden Tag begleiten – und darüber entscheiden, wie gut oder schlecht wir im Leben stehen.

Ich beschäftige mich mit der Thematik des Schuhwerks und des Gangs seit mich meine Freundin Carolin darauf aufmerksam gemacht hat. Sie hat mich mit den Vorteilen des Barfußgehens vertraut gemacht und ist eine starke Proponentin des sogenannten Ballengangs, genauer noch der Geh-Methode nach Godo. Seither habe auch ich meine Gangart und Schuhwahl überdacht.

Zwei Schuh-Modelle haben es mir besonders angetan, über die ich genauer berichten will:

  • Nike Free
  • Vibram FiveFingers

Damit habe ich übrigens recht auffällig parallele Kriterien in Sachen Schuhwerk wie US-Coach Steve Maxwell. :)

Ballengang versus Hackengang

Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit dem Ballengang gemacht. Das Gehgefühl ist spürbar leichter und angenehmer – man geht bei guter muskulärer Verfassung wie auf Wolken – was sich allerdings bei Ermüdungserscheinungen rasch relativiert. Diese Art des Gehens ist deutlich anstrengender als der bei den meisten Leuten gebräuchliche Hackengang, vermeidet allerdings die starke Schockwirkung dieser Gangart (die es notwendig macht, Schuhe mit dicken Sohlen und Dämpfungen zu tragen).

Ein interessantes Experiment zum Nachmachen: Beobachtet euch einmal beim Gehen rückwärts oder eine Treppe hinauf. Sprintet eine kurze Strecke. Seht genau auf eure Füße. Ihr werdet merken, wie ihr automatisch euer Gangmuster auf den Ballengang umstellt, der euch den Vorteil bietet, erst mit dem Ballen den Boden erfühlen zu können, ehe ihr den Fuß auf eine Stelle setzt. Ich habe überdies den Eindruck, dass ich – auf Ballen gehend – schneller reagieren kann, da meine Füße bereits aufgerichtet sind.

Als Nachteil ist zu erwähnen, dass ich durch meine mir angelernte Gangart vermehrt Probleme mit meiner Balance feststelle – die ohnehin wenig ausgeprägt ist. Hier habe ich eine Schwäche, die durch den Ballengang verstärkt wird. Das hochreaktive Gehen auf den Fußballen stellt also auch neue Herausforderungen an den Gleichgewichtsapparat – und fördert ihn damit.

Um meine Gangart vom Hacken- auf den Ballengang umzugewöhnen musste ich mich lange bewusst auf meine Gangmechanik konzentrieren. Es dauert etwas über ein Monat, bis der erste Automatismus griff und mein Körper sein natürliches Gehmuster auf den Ballengang umstellte. Heute erscheint mir der Ballengang als einzig natürliche Art der Fortbewegung. Es ist interessant, wie sich der Körper umschulen lässt :)

Barfußgehen pro-contra

Noch besser als der Ballengang in dafür geeigneten Schuhen (die sich durch ihre flexible Sohle auszeichnen) ist das Barfuß-Gehen. Der Mensch ist durch das Barfußgehen geerdet und steht in direkter Verbindung mit dem Boden – wenn man ruhig wird und es wirken lässt spürt man richtiggehend, wie die Energie vom Boden weg durch den Körper geleitet wird um an den Extremitäten wieder nach draußen zu gelangen.

Bertram beschäftigt sich auf seinem Blog viel mit dem Thema des Barfußlaufens. Ich empfehle euch einen Besuch auf seiner Seite.

Leider ist es mittlerweile so, dass in den meisten Gebieten der Erde die Landfläche zunehmend mit Asphalt oder Beton bedeckt wird. Diese Untergründe bringen zwei grundsätzliche Nachteile im Vergleich zu einer Wiese oder weichem Waldboden mit:

  1. Der Energiefluss vom Fuß aufwärts ist verhindert, das Bodenmaterial ist leblos
  2. Der harte Untergrund führt zu größerer Belastung auf die Füße. Weicher Boden federt die Schockbelastung jedes Schrittes ab

Daher sind viele Stadtgebiete weitestgehend ungeeignet für das Barfußlaufen – da durch den Untergrund mit der Zeit Schäden am Fuß entstehen. Selbst habe ich ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass beim Gehen mit den FiveFingers dann nach etwa 10 Kilometern eine starke Reizung der Füße fällig wird, wenn ich viel auf Asphalt gehe. Daher empfehle ich für lange Aufenthalte in Städten weiterhin Schuhwerk, um die Füße zu schonen.

Wenn ihr allerdings einen Wald oder eine Grünfläche zu Verfügung habt möchte ich euch dazu einladen, öfter darauf barfuß spazieren zu gehen. Es kostet nichts und ist eine erhebende Erfahrung – das hohe Glück, an einem Morgen im Sommer barfuß durch eine Blumenwiese zu spazieren, während man den Duft der Blüten einatmet und die Reste des Morgentaus die Zehen kitzeln ist schwer in Worte zu fassen.

Probiert aus, was ihr spannend findet und berichtet von euren Erfahrungen! :)

Thema: Gesundheit | Kommentare (0) | Autor: Simon Voggeneder