Wer ein Talent hat, hat eine Aufgabe


Binnen kurzer Zeit haben uns Julia und ich zwei Filme mit Hannah Herzsprung in einer der Hauptrollen angesehen. Erst war da Das Wahre Leben, wo sie als vom Leben müder Teenager auftrat. Dann Vier Minuten, wo sie als verurteilte Mörderin mit großem Talent Piano spielt. Aus zweiterem Film stammt die Passage, die ich anspreche (Warning: Spoiler ahead). Als ihre Pianolehrerin sie aus dem Gefängnis entführt und in ihre Wohnung schafft spricht sie davon, dass ein jeder von uns mit einer Aufgabe ins Leben kommt. Sie meint zu ihr: Du hast ein Talent. Also hast du auch eine Aufgabe.

Hannah Herzsprung Vier Minuten Jenny von Loeben

Das ist deine Aufgabe: Deinen faulen Arsch hochzukriegen und in zwei Stunden in der deutschen Oper vorzuspielen.

Das hat mich berührt. Wie passend, dass ich gestern im Zuge der Planung der Firmvorbereitung 2012, an der ich mich in meinem Heimatort beteilige, fast genau die selben Worte wieder gehört habe. Wir alle haben ein Talent. Das wartet nur darauf, gelebt zu werden. Nur, wie finden?

Das ist der Prozess daran. Ich finde es ungemein spannend und faszinierend, mich selbst und andere auf diesem Prozess zu beobachten. Das Zweifeln, die Zuversicht, die Hoffnung, die Niederlage, die Chance. Und so lange es versucht wird, ziehen alle diese Menschen mit den Jahren immer engere Kreise um das, was auf sie wartet: Ihr Platz im Leben, ihr ganz eigener Rhythmus.

Diesen Prozess zu schauen wird nie langweilig.

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Kopflastig

Kopfschwere

Kopfschwere versinnbildlicht.


Es ist ungewohnt und seltsam, mit vollem Namen auf anderen Blogs referenziert zu werden. Und erst recht, wenn man als Sinnbild für etwas verwendet wird. So hat mich Christian Bucher (cbx) auf seinem Blog als Sinnbild für Kopfschwere hingestellt. Stirnrunzeln. Schmunzeln. Ja, recht hat er.

Wisst ihr was? Das ist auch in Ordnung so. Ich habe mich lange genug damit beschäftigt, gegen diese Eigenschaft zu kämpfen, wo sie doch zu mir gehört wie mein Angesicht. So lange ich die Wolken regelmäßig verlasse und ganz verwurzelt auch etwas anpacke, statt immer nur darüber nachzudenken, geht es mir damit schließlich nicht schlecht.

Wie passend, dass mein Kopf die letzten Tage bereits beschwert ist. Es geht nämlich genau um das Umsetzen von Gedanken. Ich fühle seit Tagen eine zunehmende Schwere, die von unerledigten Aufgaben ausgeht. Mit jedem Tag, den ich eine Aufgabe wieder auf die alltägliche To-Do-Liste setze, wird der Gedanke daran mühsamer und zapft mir mehr Energie ab. Wenn dieses Vampirspiel nur lange genug läuft, kann der Alltag vollkommen Lethargie verkommen – da die gesamte Energie für Vermeidungsverhalten drauf geht.

Einen klugen Schluss daraus ziehend: Kopfschwere hat noch keinem geschadet – so lange er sich entweder mit dem Umsetzen oder Loslassen der Gedanken wieder Erleichterung verschaffen kann.

P.S.: Jetzt ist mir auch wieder ein Stück leichter :-)

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Geschichten aus dem Gesundheitssystem

Wartezimmer mit Tieren und fröhlichem Doktor
Drei Wochen sind es jetzt schon. So lange habe ich Schmerzen im linken Schienbein. Von null auf 4 mal die Woche Laufen gehen durchstarten im August war eine schlechte Idee. Es ging lange gut – doch auf einmal war der Schmerz da. Trainingsstop – doch der Schmerz bleibt. Deshalb ging es heute zum Arzt.

Vorweg: Ich mag meine Hausarzt-Praxis.

Im Warteraum hatte ich einige Stunden Zeit, den Leuten zuzuhören. In Erinnerung geblieben ist mir ein Paar. Die beiden haben optisch die 50 noch nicht gekratzt. Sie eher tonnenförmig, er auch nicht in bester Form. Doch die Optik ist nur ein Detail am Rande. Erinnern tue ich mich an die Art und Weise, wie sie über sich selbst gesprochen haben: Die Frau war nicht müde zu betonen, dass ihr das Aufstehen nun schon schwer falle und dass es ja generell bergab ginge. Den Mann nannte sie sportlich, denn er könne ja noch ohne Beschwerden aufstehen. Es tat richtig weh, dieser verbalen Selbstzerstörung zu lauschen. Diesen Menschen war nicht bewusst, wie wirklichkeitsbildend Sprache ist. Die Art, wie sie über sich sprachen spiegelte wieder, wie sie sich selbst sehen: Als alte Wracks, die auf die Zersetzung warten. Mildere Variationen desselben Themas konnte ich bei anderen Patienten ebenfalls bemerken.

Als ich mit meiner Freundin zu Hause darüber sprach, ergänzte sie einen weiteren Aspekt. Sie sprach über Leute, die im Alter damit aufhören, sich zu pflegen und so gut wie möglich auszusehen. Und darüber, wie dies gleichzeitig bedeutet, dass es mit ihrem Leben ganzheitlich rasant bergab geht. Gut mit und über sich selbst zu sprechen, sich pflegen, gut aussehen zu wollen – das sind alles Zeichen von Selbstrespekt. Ich bin davon überzeugt, dass in Würde altern stark damit zu tun hat.

Während der nachfolgenden Untersuchung wunderte ich mich weiter über die vielfältigen Methoden der Therapie, die mir gleich vorweg angeboten wurden: So wurde mir angeboten, das Bein röntgen zu lassen (verständlich), eine Untersuchung der Muskulatur mit Strom-Ultraschall (weniger sinnhaft) und gar eine Blutabnahme, um auf Thrombose zu prüfen. Etwas viel Intervention dafür, dass mein Fuß beim Abrollen schmerzt. Ein wenig zwischen den Zeilen wurde erwähnt, dass es eine gute Öl-Lösung zum Einreiben gäbe. Für eine medizinische Intervention dieser Größenordnung war ich eigentlich gekommen. Etwas ironisch, dass dies die einzige Option ist, für die ich finanziell selbst aufkommen muss (obwohl sie die günstigste ist).

Da ich mir das Öl gleich im Anschluss kaufte, konnte ich in der Apotheke erneut interessante Szenen erleben. So war zum Beispiel eine alte Frau vor mir am Tresen, die nach einem Tee zum Abnehmen fragte. Die Apothekerin konnte nur einen Tee zur Unterstützung der Blutzuckerstabilisierung anbieten. “Ich habe aber gehört, grüner Tee soll gut sein.” kam es von der alten Frau zurück. Davon riet die Apothekerin ab – zu stimulierend. Sie setzt anschließend an, Ernährungsempfehlungen abzusetzen, die die alte Frau offensichtlich überforderten. Kohlenhydrate, Fette, et cetera. Etwas weh im Herz tat es mir, dass die Frau meinte, sie würde nun die Butter absetzen. Ich kann dabei nur mit Erschaudern an den Light-Käse bei der Großmutter meiner Freundin denken, den diese im guten Denken kauft, sich damit das Zunehmen zu ersparen. Warum so kompliziert? Gemäß des Themas, über das ich gerade lese – mentales Training – gilt es in solchen Situationen eine Landkarte bereit zu haben, möglichst einfach umsetzbare Ratschläge anbieten zu können. Ich habe mir im Verlauf des Tages eine solche gebastelt:

  • Anzahl der Mahlzeiten pro Tag reduzieren. 3 oder noch besser 2 mal pro Tag (dann ohne Frühstück oder Abendessen) essen – und nur zu diesen Zeiten. Essen bis zur Sättigung. Zeit zum Essen nehmen!
  • Das Essen öfter kauen. Mahlzeiten, die nicht gekaut werden müssen so weit es geht durch solche, die gekaut werden müssen ersetzen. Öfter kauen heißt länger essen. Das bedeutet psychologisch wiederum, dass das Essen als mehr empfunden wird. Essen, das gut gekaut werden muss, sättigt überdies länger.
  • Jeden Tag 30 Minuten flott spazieren gehen. Nicht laufen. Flott gehen. Verbraucht Kalorien, belastet die Strukturen kaum, vitalisiert den Körper.

Ich bin überzeugt, dass diese drei Punkte – konsequent umgesetzt – auch ohne die Erwähnung von Worten wie Kohlenhydrat zu sehr wirksamen und sichtbaren Ergebnissen führen werden.

Fast nur eine Randnotiz sind mir die Großpackungen Alltagsmedikamente wert, die ganz zwanglos über die Theke wandern. Ich habe es schon oft bei jüngeren wie älteren Mitmenschen erlebt, dass für mein Gefühl enorm viel Medikamente konsumiert werden. Hauptsache, die Symptome verschwinden schnell wieder. Krankheit aussitzen? Das sehe ich nur mehr selten, ist für mein Empfinden aber der einzig sinnvolle Umgang mit Krankheiten wie Erkältung oder grippaler Infekt. Diese bedeuten für mich weniger essen (erspart dem Körper Verdauungsstress – außerdem habe ich gewöhnlich ohnehin weniger Hunger), etwas mehr trinken (bevorzugt wärmende Getränke – Ingwerwasser ist ein im wahrsten Sinne des Wortes heißer Tipp), mich körperlich nicht überanstrengen aber trotzdem in Bewegung bleiben und täglich Frischluft und Sonne tanken, so viel ich kann. Medikamente nehme ich erst dann, wenn ich nicht gut ein- und durchschlafen kann – um die heilsame Wirkung des Schlafs nicht zu verlieren. So habe ich heute auch eine Großpackung Mexa-Vit.C gekauft – im guten Wissen, dass sie für lange Zeit reichen wird.

Alles in allem waren diese Erfahrungen ein Bewusstwerden, dass ich in meinem gesundheitlichen Selbstverständnis oft in einem Kokon lebe.

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Nuggets

Gold Panning for Nuggets

Auch ein Haufen Dreck kann einige Spuren pures Gold enthalten.


Eine Empfehlung, die meinen Bezug zu Büchern (insbesondere Sachbüchern) verändert hat, ist die folgende von US-Persönlichkeitsentwicklungs-Experte Larry Winget:

Versuche, aus jedem Buch, das du liest, zumindest ein “Nugget” herauszuziehen. Mehr muss es nicht sein – nur einen Impuls, eine gute Idee, die du mitnehmen kannst. Bereits dann war das Buch den Kauf wert – denn eine gute Idee kann dein Leben verändern.

Früher habe ich Sachbücher mit der Haltung gelesen, dass sie insgesamt gute Bücher sein müssten, damit sich das Lesen des Buches lohnt. Das hat sich mittlerweile geändert. Nun bin ich beim Lesen unterbewusst immer auf der Suche nach einem Impuls oder einer guten Idee, die das Buch für mich bereit halten könnte. Und oft genug geht mir ganz spontan eine Glühbirne auf, wenn ich über eine Zeile stolpere, die meine bisherige Weltanschauung herausfordert. So etwas bleibt hängen. Und mein Verhalten wird danach nicht mehr dasselbe sein.

Eine weitere Sache, die meine Beziehung zu Büchern gelockert hat sind Bibliotheken. Lange nicht besucht, haben sie sich in den letzten Wochen zu echt zu Lieblingsorten meinerseits gemausert. Dort finde ich zwar nicht genau, was ich suche – doch weiß ich im Vorhinein immer, was ich überhaupt will? So kann ich durch ein buntes Angebot stöbern und mit minimalstem finanziellem Risiko ein breites Spektrum an Büchern lesen – und “Nuggets” sammeln. Ein weiterer Vorteil von Bibliotheken ist, dass die Bücher nicht in den persönlichen Besitz übergehen. Ich lese die wenigsten Bücher binnen kurzer Zeit ein zweites Mal – die meiste Zeit liegen die meisten Bücher unbenutzt in meiner Wohnung herum. Ich genieße es ungemein, Bücher lesen zu können, ohne danach Platz im Regal für sie suchen zu müssen. So gehe ich den Schritt von Besitzen zu Nutzen, sodass mehr Leute vom Buch etwas haben können. Gleichzeitig bezahle ich auch den Erwerb weiterer Bücher für die Bibliothek.

Interessant ist auch, dass gewisse “Nuggets” sich erst beim zweiten oder dritten Lesedurchgang offenbart haben. Wie es mit Prosa ist, weiß ich nicht. Doch Sachbücher lese ich – ein gewisses Zeitfenster zwischen den Lesedurchgängen vorausgesetzt – ein jedes Mal mit einer neuen Perspektive und lerne auf einmal Dinge, die sich mir davor verborgen haben. Grund genug, ein meiner Meinung nach gutes Sachbuch immer wieder einmal zur Hand zu nehmen (oder es erneut in der Bibliothek zu entlehnen). Es könnte schließlich die Art und Weise verändern, wie ich die Welt betrachte.

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Geplante Obsoleszenz


Manche Filme wecken Emotionen. Dieser hier – gefunden in einem Kommentar eines Beitrags von Hadmut Danisch – führte bei mir zu einem Gefühl der Empörung, gepaart mit dem drückenden Gedanken, dass es ohne doch nicht geht – ohne geplante Obsoleszenz. Was das ist und wofür es steht – darüber soll der Film aufklären.

Ich hatte im Anschluss zum Film viele Ideen, wie die Dinge besser bzw. anders gemacht werden könnten, doch in Wahrheit fehlt mir das Wissen, um die Zusammenhänge wirklich zu verstehen. Ich verstehe den Film mittlerweile als Impulsgeber, die eigene Einstellung zum Besitz wieder einmal infrage zu stellen. Brauche ich xyz wirklich, muss ich Artikel A durch Artikel B ersetzen oder tut er seinen Dienst noch? Wie ist die Frage der Amortisierung einer Investition ganzheitlich zu sehen – über den Geldwert hinaus gedacht? Für diese Frage hat mir mein Stammleser Thomas Hirmer in einem Kommentar einen schönen Gedanken mitgegeben:

Bei Kleinigkeiten großzügig sein und bei großen Dingen etwas mehr “kleinlich”.

Welche Gedanken löst die Dokumentation bei euch aus? Eine Frage, die sich meine Freundin auch schon gestellt hat.

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Verwicklungen

Don't worry, I'm from the internet
Für mich hat es etwas Seltsames, wenn ich von Angesicht zu Angesicht auf Inhalte angesprochen werde, die ich im Internet zu besten gebe. So wurde ich von meiner fleißigen Kommentatorin Sandra schon öfter in ein Gespräch über meine Artikel verwickelt und am Montag von meinem Aikido-Lehrer auf die Schilderung meiner Erfahrungen angesprochen.

Oft erlebe ich mich gespalten – mein Alter Ego, der sich im Internet preis gibt ist isoliert von dem Ich, das ich im Alltag stehe. Damit bin ich nicht alleine. Ich habe ähnliche Reaktionen bereits bei anderen Menschen beobachten dürfen, die ich auf Inhalte angesprochen habe, die sie (meist via Facebook) mit dem Internet geteilt haben.

Meine ersten engeren Kontakte mit dem Internet habe ich in meiner Jugendzeit gesammelt – eine für mich schwierige Episode meines Lebens. Im Internet hatte ich rasch den Eindruck, die Leute seien tiefer, nicht so oberflächlich wie das, was ich von Tag zu Tag erlebe. Viel schneller wurde über Sehnsüchte, Gefühle und Schmerzen geschrieben. Eine Form der Kommunikation, die ich von Angesicht zu Angesicht nie erlebt habe. Ich bin dem Trugschluss erlegen, dass das mit den Leuten im Internet, nicht mit dem Medium, über das wir uns mitteilen zu tun hat. Das wäre mir nicht passiert, hätte ich meine Internet-Bekanntschaften tagtäglich real erlebt. Ich hatte viele Bekanntschaften aus Deutschland gewonnen, so dauerte es lange, bis wir uns auch in Fleisch und Blut gegenüber standen. Rasch musste ich feststellen, dass die Gespräche von Angesicht zu Angesicht auch mit diesen Menschen sich auf den scheinbar seichten Smalltalk beschränkten. Aber – und das ist ein großes Aber – wir hatten bereits die Chance, tiefere Gedanken miteinander auszutauschen. Das hat den Gesprächen ein anderes Fundament gegeben.

Kommunikation via Internet hat eine große Stärke: Sie senkt die Hemmschwelle enorm, Inhalte zu teilen, die aus verschiedenen Gründen sonst nicht angeschnitten werden würden. Meist sind die Gründe eine Variation der Themen “Die Situation hat nicht gepasst.” und “Ich hatte Angst davor, dass mein Gegenüber das blöd finden wird.” Im Internet – speziell auf Facebook – gibt es oft Kontext-Freiheit, sodass der Inhalt nicht nicht passen kann. Außerdem gibt es nur indirektes Feedback – und selbst das um einige Sinneseindruck-Dimensionen ärmer als in der Realität. Das nimmt die Angst vor Bewertung, die im Internet ohnedies nur seltenst eintritt. Nicht zuletzt ist es in vielen Internet-Medien abseits von sozialen Netzwerken so, dass der Einzelne unter der Maske eines Avatars agiert. Das führt dazu, dass Kritik nicht zwingend persönlich genommen wird, wenn sie auf die Internet-Identität zielt.

Die so geteilten Inhalte bieten sich als Knotenpunkte an, um mit einem Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich habe bereits wiederholt Leute auf ihre Internet-Inhalten angesprochen. Dadurch hatten wir sofort eine gemeinsame Gesprächsgrundlage und konnten das Gespräch schnell intensivieren. Dennoch bleibt dieser Weg eine Krücke, ein gutes Gespräch auch ohne Vorinformation beginnen zu können.

Die stark verschiedenen Hemmschwellen erklären für mich, warum ich und andere Menschen perplex sind, wenn sie dann genau mit solchen Inhalten konfrontiert werden. Für mich ist das ein Hinweis darauf, dass ich noch Arbeit vor mir habe. Arbeit daran, authentisch mit dem, was mich bewegt auch von Angesicht zu Angesicht umgehen zu können. Arbeit daran, keine Medien wie Foren oder soziale Netzwerke zu benötigen, um meiner Innenwelt Ausdruck zu verschaffen. Eine jede Verwicklung meiner Internet-Aktivitäten mit der Welt außerhalb des Netz hilft mir dabei.

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So ein Topfen – Follow-up

Als hätten sie bei xkcd meine Gedanken gelesen:

XKCD: Working

Taken from: xkcd.com


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So ein Topfen

Schärdinger Koch&Back Topfen

So ein Topfen kann echt Kopfzerbrechen bereiten


Manchmal werden Alltagsentscheidungen ordentlich schwer. Beim Kauf eines Packerls Topfen ist mir eine ganze Klasse von Problemen bewusst geworden. So ertappe ich mich regelmäßig dabei, minutenlang vor dem Regal zu stehen und hin und her zu überlegen, welches Produkt ich jetzt kaufen kann oder nicht. Besser gesagt: Welches Produkt ich jetzt hier kaufen kann oder nicht. In meinem Kopf spuken Zahlen herum: Hier kostet ein Packerl Topfen 10 Euro-Cent weniger als dort. Wenn ich aber extra für den Topfen zum günstigeren Laden fahren muss, kostet das auch wieder Sprit. Wie viel? Und komme ich vielleicht durch eine andere Aufgabe dort heute noch vorbei? Wie viele Packerl muss ich kaufen, damit sich das auszahlt? Wie viel Extra-Zeit nimmt das in Anspruch? Der Topfen hier ist aus Heumilch, der andere nicht. Wie darf ich das bewerten? Wie viel Geld ist dieses Attribut wert?

Analyse-Paralyse

Puh! Die volle Ladung Analyse-Paralyse

Es fällt mir schwer, eine Entscheidung zu treffen. Mein Verstand verlangt nach Gewinnmaximierung. Eine Maximierung erreicht er dabei gut und gerne auch: Nämlich eine Stressmaximierung. Meine Lebensqualität dagegen fühle ich ordentlich minimiert. Denn ob ich mich nun für dieses Geschäft oder für das nächste entscheide: Die Unsicherheitsfaktoren, die immer mitschwingen, vermiesen mir das Zufriedenheitsgefühl, das mit dem Kauf eintreten sollte.

Im Grund kann ich es nur falsch machen, denn um es richtig zu machen, müsste ich schon im Vorhinein wissen, was am Ende die beste Entscheidung ist. Das Wissen habe ich nicht und kann es nicht haben. Ein wenig überlegen beim Einkaufen ist sinnvoll und empfehlenswert, aber wenn ich länger als ein paar Sekunden bei Lebensmitteln überlegen muss, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein weiteres Überlegen meine Entscheidung nicht mehr besser machen wird. Bei Digitalkameras wird die Entscheidung nach ein paar Stunden Intensiv-Recherche im Übrigen auch nicht mehr spürbar besser.

Dann entscheidet doch lieber der Bauch. Und nimmt den verdammten Topfen einfach. Denn ein paar Euro-Cent sind es echt nicht wert, sich den Tag vermiesen zu lassen und schon gar nicht existenziell bedrohlich.

Für mich ein echt triftiger Grund, warum mich ein Leben mit minimalen Mitteln (lese auch cbx’s Experiment zum Thema Hartz4 und die Kopie von derStandard.at) brechen würde. Auf einmal würden solche Entscheidungen finanziell notwendig werden. Und dann wär’s für einen wie mich aus mit dem Seelenfrieden.

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Occam’s Razor

Occam's Razor

Occam’s Razor ist ein Prinzip das besagt (Quelle: Wikipedia):

  • Von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, ist die einfachste allen anderen vorzuziehen.
  • Eine Theorie ist im Aufbau der inneren Zusammenhänge möglichst einfach zu gestalten.

Umgelegt auf das Schreiben meines Blogs bedeutet das für mich

  • Von mehreren Ansätzen, ein Thema zu beschreiben ist die einfachste und kürzeste allen anderen vorzuziehen
  • Die Sprache dieser Beschreibung ist möglichst einfach zu wählen

Zu diesem Gedankengang motiviert wurde ich – unter anderem – durch den letztens hier erwähnten Film Pina. Ihre Schüler sprechen in dieser Hommage an Pina Bausch darüber, wie sie gewesen ist. Viele von ihnen erwähnen, dass Pina oft lange still zugesehen hat – und ihre Beobachtungen dann mit einem kurzen Satz auf den Punkt gebracht hat. Mich hat beeindruckt, wie viel mehr Effekt wenige Worte – gezielt eingesetzt – im Vergleich zu vielen Worten haben.

Eine frühere Freundin von mir hat einmal gemeint, ich habe ein Talent für das Bilden von leeren Worthülsen – wo aus schöner Sprache eine Hülle um die fehlende Aussage gebildet wird. Das hat mich nicht gefreut – doch sie hatte recht und würde auch heute noch recht behalten. Menschen sind Gewohnheitstiere – meistens behalten wir uns unsere Verhaltensweisen bis es ein Schlüsselerlebnis gibt, das uns zum Ändern unseres Verhaltens veranlasst. Manchmal tritt dieses Schlüsselerlebnis nie ein.

Letztens habe ich – das Internet macht es möglich – alte Foren-Beiträge aus meiner Feder gelesen. Ich habe mich erschrocken. Welch ein Plappern ohne Punkt. Ich schreibe, rede und denke vor allem lieber als zu handeln. Dieses Verhalten tut mir nicht gut – es kann niemandem gut tun. Menschen, die viel reden und dem keine Taten folgen lassen sind für gewöhnlich chronisch unglücklich. Erfüllung finden sie nur, wenn sie sich disziplinieren und den Worten Taten folgen lassen. Dann findet Transformation statt. Neale Donald Walsch trifft es mit folgendem Zitat auf den Punkt:

Life begins at the end of your comfort zone.

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Crashkurs Entrümpeln


Wie angekündigt gibt es an dieser Stelle einen Crashkurs für alle motivierten Entrümpler da draußen. Doch zuvor unsere neuen Erfahrungen mit dem Thema bisher:

  • Wenn beim Entrümpeln Dinge anfallen, die nicht weggeworfen sondern verkauft werden wollen, dann tut ihr das besser schnell! Bei uns liegen die Bücher mittlerweile eine ganze Weile herum und die Sache beginnt zäh zu werden, weil der Funke des Beginns fehlt
  • Wenn beim Entrümpeln bei anderen Leuten etwas anfällt, das interessant aussieht, dann denkt gut nach, ob ihr es auch wirklich verwenden werdet oder ob es nur herum steht. Ich habe Ordnerweise altes Materiel über Photographie mitgenommen, weil es interessant ausgesehen hat. Im Endeffekt ist es zwei Wochen lang herum gelegen, weil ich nie die Zeit hatte, es mir durchzusehen. Selbst wenn hätte ich dafür keinen Platz gehabt. Wichtig: Das wusste ich schon vorher. Nur habe ich nicht darüber nachgedacht.
  • Ist es eine veränderte Wahrnehmung? In letzter Zeit wird das Thema wiederholt in unserer Gegenwart angesprochen. Als hätten wir da etwas los getreten :)

Entrümpeln – Aber wie?

Vorab: Das Entrümpeln wird euch überwältigen. Das lässt sich (beinahe) nicht vermeiden. Keiner rechnet damit, dass auf einmal so viele unerwartete Gegenstände auftauchen. Wo haben die sich die ganze Zeit versteckt? Nun sind sie auf einmal da und wollen behandelt werden. Da kommen Erinnerungen hoch – und Emotionen. Und ehe ihr euch verseht wollt ihr am liebsten alles wieder in ein dunkles Loch stopfen. Sich mit seinen Sachen zu beschäftigen ist anstrengend und geht an die Substanz. Ein langer, harter Blick in den metaphorischen Spiegel.

Deshalb ganz wichtig: Schritt um Schritt. Ein Raum ist für’s Erste mehr als genug Arbeit. Nehmt euch am besten den Raum vor, der eurem Alltag am nächsten ist. Bei uns war es die Küche, obwohl das Wohnzimmer auch lautstark nach einer Entschlackungskur gejammert hat. Wenn ihr als Paar gemeinsam in einer Wohnung lebt, dann Entrümpelt auch gemeinsam. Sonst führt das unvermeidlich zu Krach. In praktisch jedem Raum hat jemand etwas, das seine Privatsphäre berührt. Wenn ihr euch daran solo vergreift kann das verletzend sein.

Raum für Raum

Seht euch die Gegenstände in diesem Raum an. Was für ein Gefühl geben sie euch? Wenn ihr etwas seht, dass euch intuitiv ein schlechtes Gefühl gibt, ist das ein K.O.-Kriterium für dieses Ding – ganz egal, ob das die Stricksocken von Tante Erna sind oder der angestaubte Pokal des Gymnasial-Fußballturniers. Würde es allen anderen Menschen auch solche Gefühle bereiten? Ja? Ab auf den Müll. Es ist Gift, ein Energievampir. Nein? Gebt es jemandem, der es brauchen kann oder füttert eBay / einen Flohmarkt damit. Kein Käufer? Ab auf den Müll.

Nun sind die offensichtlichen Problemdinger aus dem Weg. Was ist mit dem Rest? Seht euch um. Habt ihr das die letzten drei Monate mal in der Hand gehabt? Nein? Dann braucht es mehr Platz als es nutzt. Ausnahmen: Gegenstände, die saisonell benötigt werden: Weihnachtsschmuck oder die Baumschere für den jährlichen Schnitt. Viele Sachen, die nur einmal im Jahr genutzt werden? Mieten statt besitzen. Es kostet weniger und nimmt den Rest des Jahres keinen Platz in Anspruch.

Wie? Ihr wollt das nicht weg geben? In Ordnung. Dinge, die ihren Platz möglicherweise noch verdienen werden zur Seite gegeben. Doch Vorsicht: Das Entrümpeln führt rasch zu einem Hügel von Vielleicht-Gegenständen. Seid streng mit euch. Sperrt die Vielleichts drei Monate weg. War etwas wichtig, habt ihr in der Zeit ohnehin danach gesucht. War es nicht wichtig, hat es seine Zeit in der Kiste abgesessen: Weiterschenken, verkaufen oder entsorgen.

So ausgesiebt bleiben lediglich Gegenstände übrig, die zwei Kriterien erfüllen:

  1. Sie geben euch ein gutes Gefühl
  2. Ihr benutzt sie regelmäßig

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